Urlaubsfotos in schwarzweiß – Monochrom lohnt sich

von | 18.07.2019 | Fotografie | 0 Kommentare

Urlaubsfotos in schwarzweiß, lohnt sich das?

Wenn wir an Urlaub denken, dann denken wir an bunte Städte, blaues, türkisfarbenes Meer und goldenen Sandstrand. Frohe Farben der Natur sind auf allen unseren Bildern zu sehen und zeigen die Welt fast so, wie sie wirklich ist. Warum sollte man denn dann diese schönen Urlaubsfotos in schwarzweiß darstellen. Das ist doch sicher viel zu eintönig….. Mitnichten…. Hier erfährst Du, warum es sich lohnt das ein oder andere Urlaubsbild monochrom darzustellen. Monochrom heißt nämlich nicht immer auch gleich monoton.

Früher war alles besser

In den Anfängen der Fotografie gab es ja bekanntlich nur den Schwarzweißfilm, beziehungsweise Glasplatten, die mit einer lichtempfindlichen Silberbeschichtung versehen waren. Damals war es also komplett normal, dass alle Fotos, die man anschaute schwarzweiß waren. Der erste Farbfilm in der Fotografie wurde auch erst 1902 entwickelt und zunächst natürlich nur für den Profibereich eingesetzt. So ab den 1930er Jahren hat dann Kodak den Farbfilm auch für den normalen kommerziellen Bereich entwickelt. 

 

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Allerdings haben sehr viele Fotographen weiterhin auf schwarzweiß gesetzt, auch und gerade weil dieser Film wesentlich unempfindlicher war. Naja und wenn wir uns mal die ganzen großen Fotografen ansehen, bei denen man wirklich von Kunst sprechen kann, so sind die Fotos von diesen Leuten in der Mehrzahl monochrom gehalten. Eine Liste von Fotografen, die Du Dir anschauen solltest um zu verstehen, was schwarzweiß bedeutet und was man damit ausdrücken kann, findest Du hier:

Ansel Adems
James Nachtwey
Elliott Erwitt
Diane Arbus
Robert Capa
Henri Cartier Bresson
Anton Corbijn
Walker Evans

Wenn Du Dich mehr für Künstler der Schwarzweißfotografie interessieren solltest, habe ich hier auch den absoluten Lesetip für Dich:

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Das Buch “Lexikon der Fotografen” ist zwar bereits aus dem Jahr 2005, aber es ist immer noch eine Goldgrube für alle, die sich über Fotografie und Fotografen schlau machen wollen. Leider ist es nur noch gebraucht am Markt erhältlich

Schwarzweißfotografie damals

Wenn Du Dir die Schwarzweißfotos von früher ansiehst, dann sehen diese oftmals recht flach aus. Das heißt, die Fotos haben eher wenig Kontrast. Nehmen wir mal als Beispiel ein Landschaftsfoto von Ansel Adams. Adams galt als der Meister der Landschaftsfotografie und hat maßgeblich auch das Zonensystem mit entwickelt. Das Zonensystem erkläre ich hier mal nicht, nur soviel sei gesagt, man hat damit versucht den gesamten Grauwertraum, den ein Negativ zur Verfügung stellt, auf ein Positiv abzubilden.  Einen ganz netten Artikel dazu und warum sich das Zonensystem nicht mehr lohnt, gibt es hier: https://kwerfeldein.de/2017/01/10/johnny-patience/

Ich habe mir mal ein Bild von Adams aus Wikipedia geborgt um zu zeigen was ich meine. Das Bild zeigt eine Berglandschaft mit viel dunklen und hellen Bereichen. Adams schafft es, das alle Bereiche noch genügend Zeichnung haben und die schwarzen Bereiche auch wirklich schwarz sind. Dennoch wirkt das Bild kontrastarm, wenig knackig. Nun war das aber damals der Sinn der Fotografie, möglichst nah an die Realität heranzukommen und da ist nun mal nicht immer alles kontrastreich.

Grand Sentinel, Kings River Canyon

Grand Sentinel, Kings River Canyon (Ansel Adams 1936)

In der klassischen analogen Schwarzweißfotografie hat man wenig Möglichkeiten, den Kontrast und damit die Grauwertverteilung im Bild zu steuern. Das Zonensystem hatten wir ja schon angesprochen. Ansonsten kann man mittels Über- oder Unterbelichtung des Negatives und dann einer angepassten Entwicklung in der Dunkelkammer das Erscheinungsbild verändern. Ich habe ja oben schon einen Link geteilt, der über genau das Thema sehr viel nützliche Informationen bereit hält. Also, wenn Du in die analoge Schwarzweißfotografie einsteigen willst, dann lies Dir das mal durch.

Schwarzweißfotografie heute

Heute geht der Trend eher hin zu Bildern mit mehr Kontrast und gerade bei der HDR-Entwicklung von Digitalbildern im RAW-Format ist eigentlich alles möglich, was man der analogen Schwarzweißfotografie mühsam abringen musste. Kontrastreiche Bilder wirken knackig und bleiben dem Betrachter eher im Gedächtnis, denn oftmals fokussieren Sie auf ein bestimmtes Detail hin.

Urlaubsfotos in Schwarzweiß vom Nordkap

Urlaubsfotos in Schwarzweiß vom Nordkap

Die meisten Fotografen nutzen heute eine Digitalkamera und so ist natürlich der Weg hin zu einem Schwarzweißbild im digitalen Zeitalter anders als er noch in der analogen Fotografie war. Zunächst liegt ja ein Farbfoto vor, dass dann durch nachträgliche Verarbeitung am Rechner in ein monochromes Bild übertragen wird. Das hat für den Fotografen deutliche Vorteile, denn er kann sein Bild erst einmal auf Belichtung und Tonwerte hin korrigieren, bevor er dann das ideale Bild in schwarzweiß überführt.

Die Möglichkeiten im digitalen Arbeitsumfeld sind noch flexibler, denn neben der normalen Entwicklung des digitalen Negativs kannst Du auch bestimmen, welche Farbräume dunkler und welche heller dargestellt werden sollen. In der analogen Fotografie brauchtest Du zum Beispiel bisher immer einen Polfilter um den dunkelblauen Himmel auch schwarzweiß dunkel darzustellen. Dies kannst Du heute im Nachhinein in der digitalen Entwicklung erledigen.  

Schwarzweißfotografie, worauf Du achten solltest

Natürlich eignet sich nicht jedes Bild für die Schwarzweißfotografie. Gerade Bilder die durch ihre Farbe leben sind eher nicht dafür geeignet. Ein farbenfrohes Bild einer indischen Hochzeit oder eines asiatischen Marktes lebt durch die vielen Farben und ergibt in schwarzweiß meist ein zu wirres Durcheinander. 

Das Motiv

Landschaften mit wenigen verschiedenen Farbanteilen oder auch Architektur sind ideale Motive für die monochrome Verarbeitung. Auch Straßenfotografie kann in schwarzweiß sehr gut rüber kommen, da dadurch die Informationen fürs Auge eingeschränkt werden. Besonders gut eignen sich Motive mit strahlend blauem Himmel, je blauer, desto besser. Das Blau kann in der Nachbearbeitung dann sehr schön in einen ganz dunklen Hintergrund überführt werden. 

Sehr angesagt sind auch Portraits in schwarzweiß. Hierbei wird durch die Reduktion der Farben der Blick auf die Person verstärkt. Besonders Charakterportraits kommen in schwarzweiß deutlich besser zum Ausdruck.

Die Kamera

Der Bereich der Schwarzweißfotografie ist nach wie vor eine starke Domäne der analogen Fotografie. Soll also das ursprüngliche erhalten bleiben, ist die Kamera mit Film die beste Wahl. Voraussetzung hierbei ist aber dass der Film im Nachhinein auch in der eigenen Dunkelkammer entwickelt wird. In einem kommerziellen Labor wird man nie so auf den Film eingehen, wie das in der eigenen Dunkelkammer möglich ist. Leider habe ich keine Zeit mehr mich im Keller in die Dunkelkammer zu stellen. Denn, sein wir ehrlich, die analoge Entwicklung benötigt Zeit, die heute nur noch wenige Menschen haben.

Tatsächlich sind die heutigen digitalen Kameras so gut, dass sie vorbehaltlos auch für die Erstellung von Schwarzweissbildern eingesetzt werden können. Die Kamera sollte dabei aber immer so eingestellt sein, dass sie ein normales farbiges Bild erzeugt und das natürlich im RAW-Fomat. Das eigentliche Schwarzweißbild wird dann im Nachgang durch die digitale Entwicklung mit einem RAW-Entwickler erstellt. (Digitale RAW-Bilder entwickeln)

Der RAW-Entwickler

Es gibt einige RAW-Entwickler am Markt. Ich arbeite mit Capture One Pro for Sony. Diese Software bildet meinen Arbeitszyklus bei der Bearbeitung von digitalen Bildern am besten ab. Ich habe hier auf diesem Blog schon einige Informationen zu dem Thema geschrieben und dort findest Du auch einige Gründe warum ich diesem Entwickler nutze.

Im RAW Entwickler sollten die Farben zunächst intensiviert werden und der Kontrast etwas erhöht werden. Ich sättige dann auch immer erst mal die Farben, die ich im Nachhinein besonders ins dunkle ziehen möchte, wie zum Beispiel das Blau des Himmels. Ein dunkler Himmel wirkt immer etwas dramatischer. Spätestens hier wird jetzt auch klar, dass Urlaubsfotos in schwarzweiß nicht einfach nur die Realität darstellen, sondern ein besondere künstlerische Ausdrucksweise haben. Und irgendwo schlummert doch in jedem von uns ein kleiner Künstler.