Lofoten und Vesterålen – Zwischenstopp in Richtung Süden

von | 09.02.2019 | Nordkap, Reisen, Roadtrips | 0 Kommentare

Lofoten und Vesterålen im Winter

Die Lofoten und Vesterålen gehören wohl zu den schönsten Landschaften die Norwegen zu bieten hat. Im Sommer ist besonders auf den Lofoten der Bär los und ein Wohnmobil schiebt das nächste vor sich her. Wir waren auf dem Rückweg vom Nordkap im Januar dort. Es ist zwar kälter und dunkler aber deutlich einsamer und mindestens genauso schön wie im Sommer. Den gesamten Roadtrip findest Du in unserem Reisetagebuch.

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18.01.2019 Planänderung Richtung Lofoten

Eigentlich hatten wir geplant, die Lofoten und Vesterålen nicht zu besuchen, denn Der Umweg auf die vorgelagerte Inselgruppe erschien uns einfach zu groß. Aber wie so oft ändern sich Pläne mit der Zeit. Wir hatten einen schönen Campingplatz ausfindig gemacht der direkt am Gullesfjord liegt und damit genau in der Mitte zwischen den Lofoten und den Vesterålen. Ich habe über die Facebook Seite von Gullesfjord Camping angefragt und Viggo, der Besitzer des Platzes, hat auch tatsächlich eine Hütte für uns frei gehabt. Von dort geht es übrigens recht schnell mit einer Fähre wieder auf das Festland zurück, so dass sich der Umweg in Grenzen hält. Damit können wir einen Tag auf die Vesterålen und einen Tag auf die Lofoten fahren.

Wieder einmal Start im Dunkeln

Um 07:00 ging es los in Richtung Süden. Auch wenn mit dem heutigen Tag die Polarnacht in Alta zu Ende geht, so bleibt es dennoch bis 09:00 Uhr dunkel. Nun gut, wir sind das ja nun schon gewöhnt. Die Fahrt führte uns an verschiedenen Fjorden vorbei und über die Berge Richtung Narvik.

In den Hochebenen haben wir dann auch das erste mal auf dieser Fahrt Elche gesehen. Glücklicherweise neben und nicht auf der Fahrbahn. 3 Elchkühe und einen Bullen, wobei nur Janet den Elchbullen auf einem freien Schneefeld neben der Straße gesehen hat. Ihr blieb eine Zeit lang der Mund offen stehen, denn so ein Elchbulle ist echt wirklich ganz schön groß. Die Fahrt war, was soll ich sagen, wie immer in Norwegen fantastisch. Ich denke, wenn man hier lebt stumpft man vielleicht etwas ab, weil man diese Natur ja immer vor der Haustür hat, aber die Norweger sind trotzdem ein ziemlich naturverbundenes Völkchen.

Überall finden sich Wintersportmöglichkeiten und Loipen zum Skiwandern gibt es an jeder Ecke. Selbst in den entlegensten Gebieten sieht man immer wieder kleine Ferienhütten die an den Wochenenden mal schnell genutzt werden, um in der Natur die Zeit zu verbringen.

Die gute Tat des Tages

Unter dem Titel können wir dann wohl bald eine eigene Rubrik aufmachen. Heute mussten wir an einer größeren Baustelle eine halbe Stunde warten. Die Baustelle wurde nicht durch ein Ampel geregelt, sondern ein Follow Me Fahrzeug holte die wartenden Autos kollonnenweise an den Enden ab. Weil die Baustelle mehrere Kilometer lang war und durch einen Tunnel führte war es wohl zu gefährlich den Verkehr mittel einer Ampel zu regeln. Anstatt einer Ampel schwenkte ein junger Mann also eine rote Lampe, um anzuzeigen, dass es nicht weiter geht. Zusätzlich musste er auch an jedes wartende Fahrzeug gehen und erklären, dass wir nun eine halbe Stunde zu warten hätten bis es weitergeht.

Der junge Mann sah schon ganz schön eingefroren aus, denn er musste da wohl schon eine ganze Zeit bei -12°C auf der Straße stehen. Ich meinte dann zu Janet: „Soll ich dem mal zwei von unseren Heat Packs geben, die kann er sich dann in die Handschuhe stecken“. Ich hatte vor der Reise Einweg-Wärme-Kissen besorgt, die, wenn sie mit Sauerstoff in Berührung kommen, Wärme erzeugen. Und das dann 12 Stunden lang.

Also hab ich mir 2 der Packs genommen und bin mal hin zu dem jungen Mann. Man hat der sich gefreut und meinte er würde sich die in die Schuhe packen, denn die hätten eine Metallsohle und die würde natürlich fantastisch die Kälte in den Schuh weiterleiten. Daraufhin habe ich ihm noch 2 Packs gegeben, damit er Handschuhe und Schuhe damit ausrüsten konnte. Der hat sich vielleicht gefreut. Das Grinsen ging von einem Ohr zum anderen. Ist doch schön wenn man den Menschen eine Freude bereiten kann.

Toiletten am Wegesrand

Das Thema haben wir bisher eigentlich immer ganz gut umfahren. Mal konnten wir bei MacDonnalds aufs Örtchen, mal an einer Tankstelle. Die Toiletten an den Europastraßen brauchten wir bisher nicht. Bis auf heute. Janet hatte mal ein Bedürfnis und die einzige Möglichkeit weit und breit auf dem Fjell war schließlich eine der Parkbuchten mit WC. Jetzt wurde es spannend. Mit übler Vorahnung ging die Tür hinter Janet zu, doch als sie wieder raus kam war auch in ihrem Gesicht wahre Freude. Sowas hatten wir ja noch nie erlebt, denn diese öffentliche Toilette war blitzblank mit Zettel wann zuletzt gereinigt worden ist. Heute Morgen um 7:00 und jetzt war es 11:00. Daher können wir die Toiletten an den Landstraßen in Norwegen vorbehaltlos empfehlen (ohne Gewähr)…

Gullesfjord Camping

Um 17:30 sind wir am Gullesfjord eingetrudelt. Viggo war gerade noch mal bei unserer Hütte, um nachzusehen, ob die auch schon warm genug ist. Er hat uns zur Hütte gebracht und kurz gezeigt wo alles ist. Er ist wirklich ein netter Kerl. Die Hütten sind dagegen schon etwas in die Jahre gekommen und werden wohl auch hauptsächlich von Anglern genutzt. Nun, das Wohnzimmer ist Top, mit Esstisch für 6 Personen, Couch und 2 großen Sesseln. Wir haben Hütte 1 und die hat ein Etagenbett, wo unten 2 Personen schlafen und oben eine Person, sowie ein einzelnes Bett. Da kann man mit leben, aber in dem Doppelbett unten (1,40 m breit) ist sowohl von der Breite als auch von der Höhe her wenig Platz.

Die Küche ist tatsächlich nur mit dem Nötigsten ausgerüstet und war bei unserer Ankunft nicht an allen Stellen sauber (um es nett auszudrücken). Küche und Schlafzimmer sollten also mal renoviert werden. Die Toilette und Dusche sind getrennt und was die Dusche an Komfort bietet (Einhandarmatur, Infrarot-Wärmestrahler, Hocker, Fliesen) fehlt bei der Toilette leider völlig, dort ist nicht mal eine kleine Heizung vorhanden. Aber Viggo hat uns seinen kleinen Heizlüfter gegeben und damit bekamen wir die Toilette schließlich auch warm. Im Notfall hätte ich ja auch noch einen in meiner Werkzeugbox auf dem Autodach ;-).

Auch wenn die Hütte nicht der allerletzte Schrei ist, der Platz liegt dafür absolut fantastisch direkt am Fjord zwischen 2 großen Eintausendern und bietet damit ein grandioses Panorama direkt vor der Hüttentür.

Gegenstand des Tages

Der Gegenstand des Tages sind heute die Heat Packs, denn wir konnten damit einem armen Kerl wirklich helfen. Wir selber haben sie bisher noch nicht gebraucht, stehen aber auch nicht 8 Stunden bei -12°C draußen im Freien rum.

19.01.2019 Vesterålen

2 Tage wollen wir auf dem Campingplatz Gullesfjord bleiben. Das ermöglicht uns zumindest einen Ausflug auf die Vesterålen und einen auf die Lofoten zu unternehmen. Heute morgen bin ich erst mal in die Rezeption zu Viggo gegangen, habe unsere Hütte bezahlt und mir gleichzeitig von ihm erklären lassen, wo wir am besten auf den Vesterålen hinfahren sollen. Daraufhin sind wir zunächst etwa 30 km nach Sortland zum Einkaufen gefahren. Alleine diese Tour hat es schon in sich, denn die Natur ist bereits auf dieser Strecke fantastisch. Vom Einkaufszentrum aus entstand so auch das erste Bild mit der Brücke über den Fjord. Direkt dort vom Parkplatz aus.

Für alle die, die in Geographie nicht so gut sind, gibt es hier jetzt eine kleine geographische Erklärung, was die Lofoten und was die Vesterålen sind. Sowohl die Lofoten als auch die Vesterålen gehören zu einer Inselgruppe westlich von Narvik in Nordnorwegen. Also Du kannst erst mal Narvik auf der Landkarte suchen und dann Richtung Westen gehen, dann kommst Du mit dem Finger auf diese Inselgruppen. Die Lofoten, was ja auch der bekanntere Teil dieser Inselgruppe ist, liegt südlich. Von Narvik aus fährst Du über die E10 auf die Inselgruppe. Fährst Du die E10 dann nach links weiter Richtung Süden auf dieser Inselgruppe, dann kommst Du auf die Lofoten. In Hinnøya zweigt die 85 nach rechts ab. Dort entlang geht es auf auf die Vesterålen und zum Gullesfjord Camping.

2 mögliche Ziele

Nach dem Einkaufen mussten wir uns entscheiden wohin wir denn nun fahren. Ich denke, allgemein sind alle Ziele auf den Vesterålen eine Reise wert. Zur Auswahl standen Andenes, ganz im Norden der Vesterålen, von wo aus auch die Walsafaris starten oder aber Nyksund im Nordwesten. Andenes wäre interessant, wenn wir nicht die beiden Fellnasen dabei hätten, denn dann hätten wir von dort aus eine Walsafari machen können.

Nyksund ist eine winzig kleine aber sehr interessante Stadt. Die Bewohner von Nyksund haben ihre Stadt bereits des öfteren aufgegeben und sind weggezogen, weil die Lebensgrundlagen einfach nicht mehr gegeben waren. Fischfang und Tourismus haben zu wenig abgeworfen um davon zu leben. 1985 entdeckte eine Uni aus Deutschland das Dorf für den Fachbereich Soziales und pachtete schließlich das gesamte Dorf von den Einwohnern und der Kommune. Unentgeltlich, aber mit bestimmten Auflagen. Die Studenten haben nach und nach die Häuser renoviert, Seminare abgehalten, Parties gefeiert, usw. Das ging bis 1989 als sich die Bewohner wohl überlegt haben, dass sie das eigentlich auch selber können. Heute leben dort 15 Norweger und es gibt Betten für bis zu 40 Touristen. Mehr Informationen kannst Du auch bei Wikipedia nachlesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Nyksund

Der Weg nach Nyksund

Eigentlich können wir das nicht schriftlich wiedergeben. Die Fotos findest Du in der Gallerie im Anschluß an den Artikel. Wir hatten auf der Fahrt nach Nyksund noch dazu das Glück, dass das Licht eine ganz fantastische Stimmung über dem Wasser und den Bergen erzeugte. Es war einfach nur traumhaft und fantastisch. Der Weg führt die meiste Zeit entlang des Atlantiks, teilweise aber auch über die Inseln selbst. Naja wie gesagt, es ist schwer in Worte zu fassen. Nur so viel möchte ich schreiben, die Fahrt hat sich definitiv gelohnt und ist eine Megaempfehlung wert.

Nyksund selbst ist recht schnell abgehandelt, obwohl es wirklich urig dort ist. Es führt ein Damm zu der vorgelagerten Insel Nyksundøya auf der sich das Dorf befindet. Dort haben wir typisch norwegische Fischerdörfer angetroffen. Die Straße über den Damm und auch in dem Dorf ist so eng, dass es nicht möglich ist, mit einem größeren Wohnmobil oder gar einem Gespann dort zu wenden. Es gibt dafür in dem Dorf, das nur die eine Straße hat, einfach keine Möglichkeit.

Von der Spitze Nyksunds aus hatten wir dann auch noch mal einen fantastischen Blick auf den Atlantik und die vorgelagerten Berge. Der Spot um noch mal Fotos zu machen.

Zurück zum Gullesfjord

Wie wir ja schon beschrieben haben ist die Hütte im Gullesfjord Camping nur mit dem nötigsten ausgerüstet und die Dinge die dort sind, machen auch keinen vertrauenserweckenden Eindruck. Wir haben daher das erste mal in diesem Urlaub unsere Küchenbox vom Dach des Wrangler geholt und die Küchenutensilien genutzt, die Janet für solche Fälle eingepackt hat.

Auch wenn die Hütte alles andere als hypermodern ist, so sind wir von dem Platz hier begeistert und die Hütte ist für unsere Anforderungen mehr als ausreichend. Wenn es nicht so sauber ist, dann brauchen wir auch nicht so viel Zeit in die Endreinigung der Hütte zu investieren, um sie wieder in den Zustand zu bekommen, wie wir sie übernommen haben. Da wir wissen was auf uns zukommt, würden wir diesen Platz immer wieder anfahren, alleine auch wegen der Lage.

Gegenstand des Tages

Die Küchenbox mit allem was da drin ist. Braucht man immer mal auf so einer Reise, denn man weiß nie was einen in einer Hütte so alles erwartet.

20.01.2019 Die Lofoten

Heute ging es also auf die Lofoten. Wir wollten eine Strecke von etwa 80 km in Richtung Süden auf der Inselgruppe fahren. Das ist ungefähr bis zur Hälfte. Die südlichste Stadt Å würde eine Fahrt von mehr als 3 Stunden bedeuten und ist 205 km vom Gullesfjord entfernt. Zu weit, weil wir auch aus Rücksicht auf unsere beiden Hunde heute nicht so eine lange Strecke fahren wollten. Morgen geht es ja nach Mo i Rana und das sind ja auch schon wieder 6 Stunden Fahrtzeit.

Größer, Tiefer, Schöner

Wir haben also erst mal wieder ausgeschlafen. Zumindest hatten wir das vor, waren aber bereits um 6:00 Uhr wach. Also in Ruhe frühstücken und dann mit den Hunden noch einen kleinen Spaziergang machen und dann laaaaangsam mal los. 10:30 geht die Sonne hier auf und dann hatten wir ca. 3,5 Stunden Zeit bis sie wieder untergeht.

So sind wir also etwa 10:15 Uhr gestartet und haben die Landschaft auf uns wirken lassen. Unser Ziel war die nächst größere Stadt auf den Lofoften, Svolvær. Die Landschaft zu beschreiben fällt auch hier schwer. Zahlreiche Berge mit mehr als 1000 Metern fallen hier stumpf weg ab ins Meer. Die Berge sind alle höher, die Fjorde alle tiefer und die Dörfer alle schöner. So hatten wir zumindest den Eindruck. Dafür ist aber auch deutlich mehr Verkehr und im Sommer ist es hier sicherlich total überlaufen mit all den Touristen. Immer werden die Lofoten genannt wen irgend jemand von Norwegen spricht. Neben dem Nordkap ist das wohl die beliebteste Sehenswürdigkeit bei all den Touristen und Kreuzfahrern. Von den Vesterålen sprechen nur die wenigsten. Oder wie Janet sagt: “ Sag auf den Vesterålen bloß nicht das L-Wort!“

Ja die Lofoten sind anders. Wie gesagt, höher, tiefer, alles irgendwie mehr Superlative. Aber die Vesterålen sind pitoresker, kleiner, rauher, gemütlicher. Wir fanden beides fantastisch.

Auf Reserve

Gestern waren wir nicht mehr tanken. Die Tankanzeige zeigte bereits unter viertel voll und so wollten wir heute morgen an die nächste Tankstelle fahren. Dumm nur, dass diese Tankstelle tatsächlich in Svolvær war, also 80 km entfernt. Die Anzeige für die möglichen Restkilometer zeigte 96 km an. Ja, das könnte dann wohl noch klappen. Nach der Hälfte der Strecke ging dann auch artig die Reserveleuchte an. So fuhren wir die Berge rauf und runter und die Tanknadel rutschte immer weiter nach links gegen 0. Mit den letzten 5 Litern im Tank sind wir dann wohl auf die Tankstelle gerollt.

Unsere Reservekanister hatten wir ja bereits in Nordschweden aufgefüllt, weil die Strecke durch Finnland und Nordnorwegen recht einsam ist und nur wenige Tankstellen vorhanden sind. Da zeigt sich wieder, dass es immer mal wieder sein kann, dass wir unerwartet doch mal so eine stille Reserve gebrauchen könnnen.

Gegenstand des Tages

Der Gegenstand des heutigen Tages ist einer, den wir nicht mit hatten. Die Reservekanister sind auf dem Dachträger befestigt. Sie können dort oben auch betankt werden, ohne dass man sie abbauen und vom Dach holen müsste. Ein Befüllen des Fahrzeugtanks aus den Reservekanistern ist aber nur möglich indem man die Kanister abbaut. Schlecht gelöst. Daher gibt es auf der nächsten Reise ein sogenannten Schüttelschlauch, mit dem man den Diesel aus dem Kanister vom Dach herunter in den Tank umfüllt.