Alte Fotos digitalisieren – mit Handy, Kamera oder Scanner

von | 15.12.2020 | Fotografie | 2 Kommentare

Vor einiger Zeit kam meine Mama mal zu mir und hatte ein Foto in von sich und Papa dabei. Ob ich ihr das mal größer ausdrucken kann, fragte sie. Das Foto war ein Papierfoto und 10 cm x 15 cm groß. “Ja natürlich” sagte ich, “dass kann ich wohl machen”. Üblicherweise scanne ich Papierfotos mit meinem nullachtfünfzehn Scanner vom Multifunktionsdrucker ein, wenn ich Fotos digitalisieren möchte.

Diesmal habe ich mir allerdings gedacht, nehme ich doch mal die Kamera und fotografiere das Bild einfach ab. Die Kamera macht doch sonst auch sehr gute Bilder, warum also nicht auch als Scanner. Damit nicht genug, habe ich mir überlegt, dass ich ja mal verschiedene Möglichkeiten des Digitalisierens miteinander vergleichen könnte. So, und das hier ist sozusagen das Ergebnisprotokoll des Vergleichs.

 

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Die Digitalisierungsmaschinen…

Zunächst mal zeige ich die Liste der “Maschinen” mit denen ich den Versuch durchführen wollte. Dies sind:

  1. Mein IPhone XR mit einer Einlinsenkamera
  2. Meine kleine Sony RX100M4 als Vertreterin der Kompaktklasse
  3. Meine Sony Alpha 7RIII als Vertreterin der Oberklasse 
  4. Sowie der Nullachtfünzehn-Scanner am Multifunktionsdrucker

Im Eiphone werkelt ein ganz kleiner Fotosensor und das Objektiv kann ich nicht fokussieren, dafür ist aber die Software im Bildprozessor ausgereift und sollte ein schönes Foto ermöglichen. Die Kompaktkamera hat einen 1″ Sensor und ein festes 24-70mm Objektiv. Bei der Kamera war ich echt gespannt, was dabei rauskommt. Die Alpha 7 ist mein Flagschiff und mit dem Vollformat Sensor und 42 MPixel auf jeden Fall eine gute Wahl für diese Aufgabe. Und beim Scanner habe ich mir erst gar keine Illusionen gemacht, der würde sicher den letzten Platz belegen.

 

Benötigtes Zubehör

Um alte Fotos zu digitalisieren brauchst Du auch ein wenig Zubehör. Natürlich kannst Du auch einfach das Foto auf den Tisch legen und freihändig abfotografieren, aber die Qualität, die dabei rauskommt wird sich in Grenzen halten. Wahrscheinlich verwackelst Du das Bild und Spiegelungen in Hochglanzfoto sind auch keine Seltenheit. Also solltest Du eine Halterung und auch ein spezielles Licht haben um die Alten Fotos zu digitalisieren.

Das Stativ

Um Deine Kamera oder Dein Handy ruhig zu halten, benötigst Du ein Stativ. Dieses Stativ sollte eine Mittelsäule haben, die auch von unten am Stativ montierbar ist. Damit kannst Du Deine Kamera einspannen, nach unten ausrichten und gleichzeitig die Höhe mit der Mittelsäule regulieren. So ein Stativ mit umgekehrter Mittelsäule sieht etwa so aus:

Fotos digitalisieren mit Stativ

Fotos digitalisieren mit Stativ

Klemmhalterung für das Handy

So ein Handy hat ja üblicherweise keinen Schraubanschluß um es an einem Stativ zu befestigen. Ich habe mir vor einiger Zeit mal einen Selfiestick gekauft. Da war einiges an Zubehör dabei, also auch eine Klemmvorrichtung, in die ich das Handy einklemmen kann. Diese Klemmvorrichtung hat auch 2 Schraubanschlüsse, mit denen ich die Vorrichtung an ein Stativ befestigen kann. So eine Klemmvorrichtung sieht etwa so aus:

Handyhalterung am Stativ

Handyhalterung am Stativ

Handyhalterung für das Stativ

Handyhalterung für das Stativ

 

 

 

 

 

 

 

 

LED Licht für die Beleuchtung

Wahrscheinlich kann man so ein Papierbild auch einfach mit einer Schreibtischlampe ausleuchten. Ich habe mir allerdings vor einiger Zeit ein kleines LED – Licht besorgt, das ich für alle Fälle auch immer im Fotorucksack mit dabei habe. Das Licht ist so klein, dass es zur Not auch in eine Jackentasche passt. Bei dem Licht kannst Du die Farbe von rot über blau bis grün und so weiter einstellen und auch das weiße Licht läßt sich in der Farbtemperatur von Warmweiß bis Kaltweiß verändern. Dimmen läßt sich das LED Licht auch noch. Ich verlinke Dir mal dieses nützliche Gadget hier unter dem Absatz.

Beleuchtung zum digitalisieren von Fotos

Beleuchtung zum digitalisieren von Fotos

Kleines Stativ

Auf ausgedehnten Wanderungen, bei denen ich nicht immer die komplette Fotoausrüstung mitnehmen will, habe ich immer ein kleines biegsames Stativ dabei (auch bekannt als Gorillapod). Das kann ich überall befestigen und reicht für meine Kompaktkamera völlig aus. Beim Fotos digitalisieren, benutze ich das Stativ allerdings als Halterung für das LED Licht. Durch das kleine biegsame Stativ, kann ich das Licht fantastisch flexibel einstellen.

Beleuchtung und Halterung

Beleuchtung und Halterung

 

Die Testbilder

für diesen Test habe ich 2 Fotos, sellvertretend für tausende in meinem Schrank und in den Alben, ausgesucht. Beide Bilder stammen aus Norwegen (woher auch sonst) und sind aus den Jahren 2001 und 2003. Also schon recht angestaubt und auch etwas ausgebleicht. Das eine Foto zeigt eine rote Hütte am blauen Fjord und hat große einfarbige Flächen bei wenig Details aber feiner Zeichnung. Das zweite Foto zeigt einen See mit Steinen und Bäumen und Bergen im Hintergrund. Das Bild enthält viele Details und eher wenig Zeichnung. Ich war sehr gespannt, wie sich die verschiedenen “Digitalisierer” bei den beiden Bildern schlagen würden.

Fotos digitalisieren

Fotos digitalisieren

Alte Fotos digitalisieren mit dem Smartphone

Den ersten Versuch alte Fotos zu digitalisieren habe ich mit meinem Handy durchgeführt. Ich habe ein relativ altes IPhone XR das noch über eine Ein-Linsen-Kamera verfügt. Heutzutage haben glaube ich alle Handys zumindest 2 Linsen. Aber gut, mit modernster Technik kann das ja auch jeder. Also habe ich das Handy in mein Stativ eingespannt und los ging es.

Das erste was mir aufgefallen ist, ist das alles an Fremdlicht, was nicht für die gerichtete Ausleuchtung des Papiebildes gedacht ist, ausgeschaltet werden muss, da es sich sonst in dem Bild spiegelt. Das war hier umso schlimmer, da beide Fotos, die ich digitalisieren wollte, auf Hochglanzpapier vergrößert worden sind. Also habe ich nicht nur alles Licht ausgeschaltet sondern habe auch gleichzeitig noch alle Rollos vor den Fenstern heruntergezogen, damit auch ja kein Tageslicht in das Büro fällt.

Mein Handy hat eine ziemlich glänzende Oberfläche und ist zudem rot. Die runden Kanten des Handys haben sich daher auch noch im Foto gespiegelt und es hat echt ziemlich gedauert, bis ich die Beleuchtung und das Handy so eingestellt hatte, dass keine Reflektionen mehr im Foto zu sehen sind.

Smartphone beim Digitalisieren

Smartphone beim Digitalisieren

Um ein möglichst gutes digitales Bild zu erzeugen, habe ich natürlich versucht, das Papierfoto so gut es geht formatfüllend mit dem Handy abzufotografieren. Da mein Handy nur eine recht weitwinklige Linse hat, war ich da zunächst etwas skeptisch, ob das so funktioniert, denn je weitwinkliger das Objektiv, desto näher muss man an das Objekt, das man fotografieren will heran. Überraschenderweise konnte ich aber mein Handy so nah an das Papierfoto heranführen, das ich es fast formatfüllend abfotografieren konnte. Damit hatte ich nicht gerechnet. Die Naheinstellgrenze meines Handys ist somit ziemlich gut (man kann als sehr nah am Motive herangehen und das Motiv bleibt weiterhin scharf).

Die Kompaktkamera

beim zweiten Versuch musste meine kleine Kompaktkamera zum Fotos digitalisieren herhalten. Nun muss ich dazu sagen, dass meine Kompaktkamera schon ziemlich gut ist. Sie hat einen 1 Zoll Sensor der mit 24 Megapixeln auflöst. Das ermöglicht sehr detaillierte und rauscharme Fotos.

Also habe ich die kleine RX100 in mein Stativ eingespannt und die Höhe so eingestellt, dass der Autofokus des Objektives gerade noch so auf das Foto scharf stellen konnte. Das Zoom habe ich auf 70 mm eingestellt, was einem kleinen Tele entspricht. Im Gegensatz zum Handy kann ich an der kleinen Kamera einiges einstellen. Während das Handy einen Fix-Fokus hat und Blende und Verschlusszeit automatisch regelt, kann ich das alles bei der Kompaktkamera von Hand einstellen.

Bei der Einstellung ist wichtig, dass Du die Kamera so weit vom Bild entfernt positionierst, dass der Autofokus das noch mitmacht. Die Blende habe ich auf 8 eingestellt, um die Tiefenschärfe zu erhöhen und damit auch etwaige Unebenheiten in der Oberfläche des Fotos noch scharf abzubilden. Um auch Verwacklungsunschärfe auszuschließen, habe ich die Kamera über den Zeitauslöser ausgelöst. Also Auslöseknopf drücken und nach 5 Sekunden macht die Kamera erst das Foto. Das hatte ich übrigens beim Handy auch schon so gemacht.

Kompaktkamera zum digitalisieren der Fotos

Kompaktkamera zum digitalisieren der Fotos

Fotos digitalisieren mit der Systemkamera

Am meisten war ich natürlich auf das Ergebnis mit meiner Systemkamera gespannt. Die Sony Alpha 7R3 besitzt eien Vollformatsensor mit 42 Megapixeln. Das ist schon eine echte Hausnummer. Mit dem 24-105 mm Zoomobjektiv konnte ich relativ nah ran an das Foto und bekam das Motiv ziemlich formatfüllend auf den Sensor abgebildet. Beste Voraussetzungen für einen guten Scan.

Sowohl bei der Kompaktkamera als auch hier bei der Systemkamera war die Beleuchtung wesentlich einfacher einzustellen als beim Handy. Das liegt daran, das beide Kameras weiter weg vom Foto platziert wurden und somit weniger Reflexionen durch die Kamera selber auftreten.

De Einstellungen an der Systemkamera sind ähnlich zu denen an der Kompaktkamera. Auch hier setze ich ein Blende 8 ein und löse per Zeitauslöser aus.

Fotos digitalisieren mit der Systemkamera

Fotos digitalisieren mit der Systemkamera

Der Scanner

Mein Scanner ist so ein handelsüblicher Multifunktionsdrucker und hat eine maximale Auflösung von 600 dpi. Ich habe mir nicht viel von den Ergebnissen versprochen, die ich damit erzielen wollte. Ich habe den Scanner schon öfters eingesetzt um Fotos zu digitalisieren und bisher haben die Ergebnisse zumindest für die Darstellung auf Internetseiten ausgereicht. Aber da sind die Ansprüche eh eher an die Ladezeit geknüpft (also kleine Dateien) als an die Qualität der Bilder. 

Nachdem ich also beim Fotos digitalisiern 4 verschiedene Wege versucht habe war ich schon ein wenig auf das Ergebnis gespannt.

Vergleich der digitalisierten Fotos

Um eine genauere möglichst objektive Bewertung der Fotos durchführen zu können, habe ich alle 8 digitalisierten Bilder in Capture One geladen und mir immer 4 gleichzeitig anzeigen lassen dadurch konnte ich immer in alle Bilder hineinzoomen und mir die 4 Ergebnisse immer gleichzeitig anschauen. Ich war auf die Ergebnisse gespannt….

Foto Nr. 1 die Hütte am Fjord

ALs erstes habe ich mir die rote Hütte am blauen Fjord angesehen. Alle 4 Aufnahmen machten in der normalen Betrachtung erst mal einen guten Eindruck. Lediglich die Farbe beim Bild aus dem Scanner war sehr verschoben und die Hütte wirkte eher braun als rot.

Bild 1, die Hütte am Fjord

Bild 1, die Hütte am Fjord

Das Bild vom Scanner war zudem wesentlich flacher im Kontrast um wirkte allgemein sehr matschig.

Bei genauerem Hinsehen meinte ich zu erkennen, dass das Bild aus dem Handy etwas schärfer wäre als die beiden Bilder aus den Kameras. Um das genauer zu betrachten habe ich alle Bilder mal auf die gleichen Details hin vergrößert.

Detailansicht Bild 1

Detailansicht Bild 1

Bei der Detailansicht zeigt sich deutlich, dass das Handybild schärfer ist als die anderen Bilder. Das verwundert schon sehr, da ja die Optik der Handykamera weit von dem entfernt ist was die System- und Kompaktkamera zu bieten hat. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich allerdings auch, dass das Rauschen in den homogenen Stellen des Bildes (also z. B. im Fjordwasser) deutlich mehr Rauschen aufweist. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass der Bildprozessor im Handy bereits eine Schärfung der Bilder durchführt, was automatisch auch zu höherem Rauschen führt.

Ich habe dann die beiden Bilder der Kompakt- und Vollformatkamera einfach mal von Hand nachgeschärft und siehe da schon wirken alle 3 Bilder gleich scharf. Das Bild vom Scanner fällt hier deutlich ab, da dort neben dem Rauschen auch einiges an weiteren Flecken auf dem Bild zu erkennen ist.

Bei den feinen Zeichnungen im Bild wird allerdings recht schnell klar, wo die Vorteile einer Kamera mit Vollformatsensor gegenüber einem Handy liegen. Zoomt man noch etwas mehr in de Bilder hinein und vergleicht einmal die Linien des Daches auf den einzelnen Bildern wird schnell klar, das an die Systemkamera kein anderes Werkzeug herankommt. Währen man bei dem Bild der Systemkamera (oben rechts) jeden einzelnen Dachziegel erkennen kann, gehen die Dachziegel auf dem Handybild einfach im allgemeinen Rauschen und Matsch des Bildes unter.

Ausschnitt mit feiner Zeichnung

Ausschnitt mit feiner Zeichnung

Einzig das Bild des Scanners kommt noch an die Auflösung heran, erzeugt dafür aber einfach zu viel Rauschen in den dunklen Stellen des Bildes.

Die Platzierungen für das Thema Fotos digitalisieren:

  1. Platz: Systemkamera
  2. Platz: Kompaktkamera (soweit diese eine gut Naheinstellgrenze hat und man das Foto formatfüllend aufnehmen kann)
  3. und 4. Platz teilen sich das Handy und der Scanner

 

 

 

 

 

Bild Nr. 2, Der See in den Bergen

Das 2. Bild ist etwas komplexer und hat mehr Details als das Bild mit der Hütte am Fjord. Feine Zeichnungen findet man dort nicht in dem Rahmen wie auf dem ersten Bild. Dafür gibt es jede Menge Details wie Bäume, Steine und sogar Regentropfen im Wasser. Wie schlagen sich verschiedenen Kameras bei so einem Bild?

Bild 2 digitalisiert

Bild 2 digitalisiert

Wieder habe ich den Eindruck, dass das Handybild von allen vieren das schärfste ist. Bei genauer Berachtung ist das auch so, aber die beiden Bilder aus den Kameras können einfach durch manuelles Nachschärfen angeglichen werden. Da zeigt sich, dass der Bildprozessor in Handys doch schon einige Anpassungen an den Bildern tätigt, ohne das wir es beeinflussen können. Das ist OK, so lange man die Bilder nicht selber groß anpassen möchte.

Das Scannerbild fällt aufgrund der falschen Farbe und der eher matschigen Darstellung wieder raus. Die Farben bei den Kameras passt anscheinend auch nicht ganz und erscheinen etwas rotstichig. Über die Einstellung des Weißabgleiches läßt sich das aber recht einfach nachregeln. Wenn Du mehr zum Thema Farbkorrektur erfahren möchtest, dann empfehle ich Dir ein Video auf unserem YouTube Kanal zu diesem Thema:

https://youtu.be/PRlqmo-xk_0

 

Alte Fotos digitalisieren, unser Fazit

4 veschieden Vorgehensweisen habe ich getestet um meine Fotos zu digitalisieren. Eigentlich ergeben alle Methoden Bilder, die für den Einsatz im Internet zu gebrauchen sind. Der Scanner fällt etwas ab, das liegt aber auch daran, dass es sich bei dem Gerät um einen Billigscanner handelt. Wenn Du hier etwas Geld in die Hand nimmst, dann bin ich sicher, das der Scanner ganz vorne mitmischt.

Ansonsten ist die Vollformatkamera auf jeden Fall die erste Wahl um alte Fotos zu digitalisieren. Was mich etwas erstaunt hat, ist das die Digitalbilder von den alte Fotos trotz der hohen Auflösung der Kamera nicht richtig scharf waren. Bei genauer Betrachtung konnt ich allerdings erkennen, das schon die alten Fotos nicht wirklich scharf vergrößert wurden. Außerdem fällt bei jeder Vergrößerung vom Negativ die Schärfe immer weiter ab, je größer ich das Papierbild haben möchte. Hier hilft dann im Endeffekt nur ein digitalisieren des Negatives.

Ob Du auch Deine Negative mit einer Kamera digitalisieren kannst werde ich in einem der nächsten Artikel für Dich austesten. Abonniere unseren Newsletter und bleib immer auf dem Laufenden wenn hier ein neuer Artikel erscheint.

Für alle die sich das Ganze jetzt auch noch mal auf Video anschauen wollen, gibt es auf unserem YouTube Kanal das entsprechende Video zu diesem Artikel. Viel Spaß und weiterhin viel Freude an der Fotografie.