Atlantikstraße und Geiranger von Molde aus

von | 25.02.2019 | Reiseziele, Norwegen | 0 Kommentare

Atlantikstraße und Geiranger

Nach 2 Stationen komme wir in Molde an. Molde liegt etwas südöstlich von Kristiansund, gleich unter Eide und damit sozusagen in unmittelbarer Nähe zur Atlantikstraße. Aber auch ein paar weitere Sehenswürdigkeiten sind mit einer Tagestour gut zu erreichen. Die Trollstiegen liegen ein bisschen nördlich des Geirangerfjordes und die Stabkirche Rødven liegt auch nahe bei, etwa eine Fährfahrt über den Langfjorden entfernt. Wir haben uns die Atantikstraße und den Geiranger angesehen, die Trollstiegen sind im Winter leider gesperrt und für die Stabkirche hatten wir einfach keine Zeit mehr. Alle Etappen unseres Roadtrips findest Du im Reisetagebuch und den Artikel über die Fahrt hierher gibt es hier.

Update 02.09.2019: Ab heute gibt es speziell zum Atlantikweg auch ein Video auf YouTube
 

Unser Quartier haben wir auf dem Campingplatz in Kviltorp gebucht. Ein kleine aber wirklich feine Fischerhütte erwartet uns und wird für die nächsten 2 Tage unser zu Hause sein

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24.01.2019 Atlantikstraße

Zwischen Eide und Kristiansund erstreckt sich die sogenannte Atlantikstraße. Warum die so heißt weiß ich nicht genau, mag aber sein, dass es daran liegt, dass die Straße eine ganze Zeit lang direkt am Atlantik entlangläuft. Von Molde aus mußten wir allerdings erst mal über die ganze Insel auf der 663 nach Farstad fahren, denn da beginnt der Atlantikweg erst. So richtig schön wird es dann erst ab Vevang, wo sich der Weg über eine Reihe von Brücken über kleinere Inseln an der Küste entlangschlängelt.

Norwegischer Schärengarten an der Atlantikstraße

Der Atlantikweg oder die Atlantikstraße ist ein Weg direkt am Meer entlang. Naja fast direkt. Die Landschaft ist dort ganz anders als wir das von Fjord-Norwegen eigentlich kennen. Es ist eher so wie in Schweden mit kleinen Felsinseln vor der Küste, also Schären im sonst bergigen Norwegen. Interessant ist die Kombination aus diesen Schären und den hohen schneebedeckten Bergen im Hinterland. Die Straße führt zunächst durch einige Dörfer in einigem Abstand von der Küste. Es lohnt sich auf jeden Fall, einmal in eine der Stichstraßen einzubiegen und den Weg direkt an die Küste zu suchen. Wir haben das gemacht und noch einmal ganz andere Fotolocations gefunden als die, die wir eh schon von der Straße kannten.

Die Brücken der Atlantikstraße

Das wohl bekannteste abgelichtete Objekt der Atlantikstraße ist die Storseisundbrua. Das ist die Brücke, die so ganz steil hoch geht und dann gleichzeitig eine Kurve macht. Wir haben ein oder mehrere Bilder in der Gallerie zu diesem Beitrag. Naja, die geht schon wirklich steil hoch, fast wie so eine Achterbahn, was bei der glatten Fahrbahn im Winter sicher Probleme geben kann, wenn die falschen Reifen auf dem Auto sind.

Alle anderen Brücken sind ganz normal und eigentlich keine weite Anreise Wert. Einzig die Tatsache, dass sie alle über kleine Schäreninseln führen ist aber anscheinend Touristenmagnet genug. Wir waren etwas verwundert. Versteh mich nicht falsch, landschaftlich ist das schon schön da, aber es gibt in diesem Land so viele schöne, faszinierende großartige Landschaften und Straßen, die nicht extra als Sehenswürdigkeit hervorgehoben werden, dass es uns halt gewundert hat, warum nun gerade dieser 8,5 km lange Straßenabschnitt so hervorgehoben wird.

Neben der Spur

Wenn Du da bist, dann nimm Dir auf jeden Fall die Zeit, in die kleinen Straßen in den Dörfern abzubiegen und noch näher an das Meer zu kommen. Wir haben das auf unserer Tour im Ort Skotheimsvik gemacht und sind an einen Kaianleger ans Meer gefahren. Dieser Anleger ist auf der kleinen Insel Kråkholmen, die über einen schmalen Damm erreicht werden kann. Dort fahren täglich Fischer raus aufs Meer und auch die Boote zu den vorgelagerten Inseln Teistklubben und Storholmen fahren von dort aus los.

Auf den beiden Inseln befinden sich noch Gehöfte. Ich habe mal die Chance genutzt und dort, in der verlassenen Gegend, meine Drohne aufsteigen lassen, um die Schärenlandschaft von oben zu betrachten. An den Brücken ist dazu viel zu viel los und die Bilder kennt ja auch jeder. Gibt es bei YouTube zur Genüge.

Von diesen Stichwegen gibt es in der Region einige, aber wegen mangelnder Zeit konnten wir nur diesen Einen befahren. Aber auf jeden Fall findest Du dort, neben der Spur, noch Gegenden, die nicht so vom Tourismus eingenommen sind.

 An- und Abfahrt zur Atlantikstraße

Tatsächlich waren die Anfahrt und Heimreise von und nach Molde das schlimmste an der Tour. Der Weg geht mitten über die Halbinsel, durch viele Dörfer und über ziemlich üble Straßen. Wir sind natürlich nicht über Eide gefahren sondern querfeldein und haben so die ganze Vielfalt an Schlaglöchern und vereisten Fahrbahnen mitgenommen. Wer es bis dahin noch nicht im Rücken hat, der hat es spätestens nach dieser Tour. Die Landschaft ist schon schön, aber nicht so schön, dass man dafür einen Bandscheibenvorfall riskieren sollte. Aber vielleicht ist es dort im Sommer ja besser zu fahren. Sogar unsere Hunde hinten im Kofferraum fingen nach einiger Zeit an zu fiepen.

Gegenstand des Tages

Heute wieder ein Gegenstand, bzw. 2, die wir auf Reisen eigentlich jeden Tag mindestens einmal benutzen. Unsere Espressokanne für den Herd und den Milchschäumer, der nur mit einem Stempelsieb die Milch in Schaum verwandelt. Ohne unseren morgendlichen Cappuccino sind wir eigentlich nur halbe Menschen.
 

25.01.2019 Der Fjord der Fjorde – Geiranger

Wer Fjord und Norwegen sagt, der sagt auch immer Geiranger. Kein anderer ist so bekannt, wie dieses schmale Band Wasser zwischen den links und rechts steil aufragenden Felswänden. Dazu noch 2 – 3 Kreuzfahrtschiffe in der Mitte und fertig ist das Kalenderblatt. 300.000 Passagiere von Kreuzfahrern haben 2017 den Geirangerfjord besucht. Eine unglaubliche Zahl wie ich finde, sieht man sich einmal das schmale Gewässer und die kleine Ortschaft Geiranger an. Unglaublich. Erst 2026 will Norwegen die Einfahrt nur noch für Kreuzfahrer mit Akkubetrieb erlauben.

Anfahrt von Molde aus

Auch wir sind nicht emissionsfrei angereist, nein dazu auch noch mit einem Dieselfahrzeug. Schande über uns, aber der Tesla bringt einfach nicht genug Reichweite :-). Von Molde aus nehmen wir sofort die Fähre nach Vestnes, fahren die E136 bis Sjøholt und dann immer am Storfjord entlang bis nach Linge, einem kleinen Fähranleger mitten im Nirgendwo. Dort setzen wir über nach Eidsdal und fahren dann über Fjell und Tal bis zu den Serpentinen der 63 und hinab bis nach Geiranger.

Im Gegensatz zur Atlantikstraße vom Vortag ist schon die Fahrt am Storfjord entlang fantastisch. Wie gewohnt fallen die Fellswände direkt in das Wasser und gehen bis zu einer Tiefe von fast 680 Metern unter Wasser weiter. Ich finde das ja sowas von einmalig. 680 Meter Wasseriefe….. In Stordal machen wir kurz Stop und gehen bei Coop einkaufen. Weiter geht es. Unterwegs sehen wir einen Unfall, bei dem schon Rettungswagen und Feuerwehr vor Ort sind. Ein PKW ist in die Seite eines LKWs geschliddert und von da aus direkt in die Felswand. Gut das da die Felswand war und nicht die Fjordseite… Wer weiß wo und in welcher Tiefe der Wagen dann gelandet wäre.

Die Straße am Fjord entlang ist aber auch wirklich rutschig und fast völlig vereist. Also fahren wir einfach noch eine Spur vorsichtiger und lassen immer mal wieder die schnelleren Norweger mit ihren Spikereifen vorbei.

Fjell und Tal

Fast noch schöner wird die Landschaft nach unserem Übersetzen nach Eidsdal. Die Straße verläuft dort fast kurvenlos durch ein Tal, das links und rechts von gigantisch wirkenden Bergen eingerahmt wird. In der Mitte noch ein kleines Flüsschen macht den Kitsch perfekt. Gibt es eigentlich gar nicht sowas. Hinter dem Tal geht es dann in Serpentinen aufwärts. Am Ende der Serpentinen geht es über den Berg und direkt wieder in Serpentinen runter. 11 Haarnadelkurven sind es bis zu der kleinen Ortschaft Geiranger. Vo oben bietet sich ein Panorama wie aus einem Geo Spezial Dokumentarfilm. Wer es nicht gesehen hat, glaubt es nicht. Der Geiranger liegt direkt unter uns. Unten angekommen fahren wir noch eine kleine Strecke am Geiranger entlang.

Der Ort Geiranger

Es ist Winter, also erwarten wir keinen großen Ansturm in dem Ort. Hier leben etwa 250 (zweihundertfünfzig) Einwohner. Mehr sind da nicht und die leben alle vom Tourismus. Tatsächlich ist der Ort tot. Keine Menschenseele ist auf der Straße, weder Souveniershops noch Restaurants, geschweige denn das total häßliche Hotel haben geöffnet. Apropos das Hotel. Ein grauer Betonbau Marke 1960. Könnte auch aus sozialistischer Produktion stammen. Wir fragen uns, wer auf die glorreiche Idee gekommen ist, sowas am Eingang des Dörfchens und in eine solche Landschaft zu bauen. Wir können jedenfalls nur mit dem Kopf schütteln.

Wir fahren noch etwa 500 Meter weiter den Ort hinauf und drehen dann um. Derzeit gibt es nur eine Zufahrt nach Geiranger hin (abgesehen vom Fjord aus) nämlich die von Eidsdal aus. Die andere Zufahrt über die 65 von Grotli aus ist im Winter gesperrt. Also drehen auch wir um und fahren den gleichen Weg zurück, den wir gekommen sind.

Der Geiranger wird seinem Ruf gerecht

Tatsächlich sind wir wohl schon etwas verwöhnt, was die Landschaften in Norwegen angeht. Die Atlantikstraße hat uns nicht umgehauen, aber der Geirangerfjord und vor allem auch die Fahrt dort hin ist wirklich beeindrucken. Wir wundern uns allerdings wie ein so kleiner Ort wie Geiranger all diese abertausende Touristen jährlich verkraftet. Jetzt hier im Winter liegt die ganze Gegend einsam und ruhig da und wir möchten es uns auch nicht anders vorstellen. Sowieso haben wir auf der Fahrt durch Skandinavien nur 2 mal ein deutsches Kennzeichen auf der Straße gesehen. Einmal in Schweden und das andere Mal in Finnland auf einem Parkplatz mitten im Nirgendwo.

Die Rückfahrt ist genauso eindrucksvoll wie der Weg hin. Kein Wunder, man sieht ja das Ganze jetzt aus der anderen Richtung und Perspektive. Das ist uns übrigens auch schon vorher in andern Gegenden aufgefallen.

Gegenstand des Tages

Heute gibt es hier eine Gegenstand, nein eigentlich ein Verkehrsmittel in Norwegen, dass das Vorankommen unheimlich erleichtert. Die Fähren. Fähre fahren ist hier wie S-Bahn fahren in Deutschland. Alle 20 Minuten steht eine neue Fähre bereit. Meist kommt man am Fähranleger an und kann sofort auf die Fähre fahren. Völlig unkompliziert bezahlt man mit Karte oder in Bar. Ist die Fahrt etwas länger, findet man unter Deck auch einen Kiosk und kann da leckere norwegische Waffeln mit Sauerrahm und evtl. Käse essen. Klingt komisch, is aber lecker.