Der Folgefonna Gletscher – geborgtes Eis

von | 22.09.2019 | Reiseziele, Norwegen | 0 Kommentare


Der Folgefonna Gletscher – geborgtes Eis

Der Folgefonna ist der südlichste und drittgrößte Gletscher Norwegens und ist noch dazu direkt mit dem Auto zu erreichen. Er liegt etwas südöstlich von Bergen in der Region Hardanger. Um ihn herum befindet sich der Folgefonna Nationalpark, der mit vielen kleineren und größeren Wanderwegen einlädt. Wir waren im Jahr 2002 das erste mal an dem Gletscher und haben ihn jetzt im Jahr 2019, nach 17 Jahren wieder besucht. Wir waren gespannt, was sich verändert hat.

Werbung



Anreise

Der Folgefonna Gletscher liegt zwischen Odda im Südosten und Bergen im Nordwesten. Aus Süden kommend fährst Du am besten durch Odda, hälst dich links und fährst links am Ufer des Seitenarmes des Hardangerfjordes ein kleines Stück in Richtung Norden. Dann gehen zwei sehr lange Tunnel links ab, direkt unter dem Berg mit dem Folgefonna Nationalpark hindurch. Du kommst auf der anderen Seite wieder am Hardangerfjord heraus und fährst bis Jondal weiter.Dort geht es dann direkt am Fähranleger rechts ab in Richtung Gletscher.

Von Bergen her fährst Du am Besten in Richtung Norheimsund am Nordufer des Hardangerfjordes entlang bis nach Tørvikbygd. Von dort aus geht die Fähre dann direkt nach Jondal rüber und von da aus gehts weiter wie gehabt.

Von Osten her fährst Du an Norheimsund vorbei auch bis Tørvikbygd und nimmst ebenfalls die Fähre.

Die Straße von Jondal aus geht es etwa 18km zunächst asphaltiert weiter den Berg hinauf. Nach 10 km ist eine Mautstation, an der Du umgerechnet 10 Euro zahlen musst, damit Du weiterfahren darfst. Als wir dort waren, war zwar die Schranke an der linken Spur offen und wir hätten dort einfach durchfahren können. Das Geld wird aber für die Instandhaltung der Straße benötigt und somit empfehlen wir die 10 Euro auch wirklich zu bezahlen. Außerdem bin ich mir nicht sicher, ob auf der Strecke dann nicht vielleicht doch mal Kontrollen stattfinden von Zeit zu Zeit.

Nach der Mautstation wird die Straße dann schlechter, enger und sehr viel steiler. Ich würde dort nicht mit einem großen Gespann oder einem großen frontgetriebenen Wohnmobil hochfahren. Unser Jeep Wrangler hat die Strecke allerdings auch ohne Allrad problemlos gemeistert.

Enge Straßen Richtung Folgefonna

Sehr enge Straßen führen hoch zum Folgefonna

Das Sommerskicenter am Folgefonna

Nach 18 km Serpentinen mit diversen Ausweichmanövern bei Gegenverkehr kommst Du dann am Parkplatz des Sommeskicenters an. Hier erstreckt sich eine der Gletscherzungen fast bis ganz an den Parkplatz heran. Skilifte führen hoch auf den oberen Teil des Gletschers und Schneeraupen stehen parat um die Bewegungen des Gletschers auszugleichen und das Eis so einzuebnen, dass ein Skifahren problemlos möglich ist. Ob man das jetzt gut oder schlecht findet, sei jedem selbst überlassen, wir hatten bei dem Anblick bereits 2002 ein ungutes Gefühl.

Ansonsten scheint sich der Eisschwund an dem Folgefonna Gletscher in Grenzen zu halten. Wenn wir das Eis mit unseren Erinnerungen aus 2002 vergleichen, so haben wir den Eindruck, dass das Eis nicht sehr weit zurück gegangen ist. Oder werden vielleicht die oberen Eisschichten abgetragen und weiter nach unten geschoben, damit die Abfahrtsstrecke auch weiterhin unten am Parkplatz endet. Wir wissen es nicht, können es uns aber vorstellen. Auf jeden Fall waren die unteren Bereiche der Gletscherzunge großflächig mit weißen Kunststoffplanen abgedeckt, wahrscheinlich um das Eis zu schützen.

2002 gab es an dem Parkplatz eine kleine Apres Ski Hütte und Umkleiden und Aufenthaltsräume. Diese sind nicht mehr vorhanden und an ihrer Stelle wird derzeit ein neues Hotel gebaut. Der gesamte Parkplatz glich eher einer Baustelle als einem Erholungsgebiet. Das Eis des Gletschers wirkte zudem grauer als 2002, was aber auch an dem schlechten Wetter liegen könnte. Den ganzen Tag, den wir hier unterwegs waren hat es wie aus Eimern geregnet.

Sommerskicenter am Folgefonna

Sommerskicenter am Folgefonna

Perlen abseits des Weges

Unser Besuch am Sommerskicenter war somit genauso ernüchternd wie 2002. Viel hat sich nicht verändert, außer dass ein Hotel anstatt der Skihütten entsteht. Wer die Natur Norwegens sucht, kann sich also diesen Ort sparen. Allerdings gibt es auf dem Weg zum oder vom Gletscher so ein paar Wege die nach links und rechts vom Hauptweg abgehen. Diese noch schlechteren und teilweise noch steileren Wege führen oftmals zu echten kleinen Paradiesen von denen oftmals Wanderwege der Jäger oder aber nur Ebenen für weidende Schafe liegen. Diese Plätze sind teilweise so idyllisch gelegen, dass man dort gut einen oder mehrere Tage verbringen kann. Hier kommen 2 dieser Plätze die Du auch in unserem Reisetagebuch zu Südnorwegen findest:

Das kleine Paradies

Auf dem Weg zurück vom Sommerskicenter kommst Du zunächst an einem reißenden Fluß vorbei und dann geht etwa 500 Meter danach ein Weg nach rechts den Berg runter. Achtung, der Weg ist so eng, dass ein Schild davor warnt, zu dicht an die Kante zu fahren, da das Auto dort auch leicht am Hang abrutschen könnte.

Weiter unten befindet sich ein Wendeplatz, der auch gleichzeitig als Parkplatz genutzt werden kann. Von hier aus sind wir dann bereits 2002 noch etwa 200 Meter in Richtung See gewandert und klettern dann über einen leichten Anstieg, der über einige Felsbrocken etwa 10 Meter hinaufführt. Oben angekommen steht man auf einer Ebene durch die ein kleiner Eisbach mit Gletscherwasser führt. Eine Schutzhütte steht auf der Ebene und im Hintergrund sind die Gletscherzungen des intakten Folgefonna zu sehen.

Bei Regen ist die Ebene etwas sumpfig und lädt natürlich nicht zu einem Picknick ein. 2002 hatten wir strahlend schönes Wetter und sind hier einen ganzen Tag mit unseren beiden Kindern geblieben. Janet hat mit unserer kleinen Tochter Wollgras gepflückt und Blumenkronen gebunden und ich bin mit unserem Sohn über die Ebene gewandert und wir haben damals den Eisbach erkundet. Dieser wird übrigens über einen kleinen Wasserfall gespeist und fällt über einen weiteren Wasserfall am Rande der Ebene weiter in einen größeren See.

Üblicherweise grasen hier auch mal Schafe und daher sollten Hunde, wenn sie mitgeführt werden, an der Leine bleiben. Von hier aus kann es auch losgehen zu einer größeren Wanderung auf den Berg hinauf.

Dieser Ort hat wirklich etwas mystisches und wenn es wirklich Trolle und Feen in Norwegen geben sollte, dann wird man sie dort treffen. Unsere beiden Kinder fanden den Ort damals schon so schön, dass sie ihn „unser kleines Paradies“ getauft haben.

Der Staudamm

Gar nicht weit vom kleinen Paradies entfernt befindet sich der 2. nicht ganz so idyllische aber doch interessante Ort. Etwas weiter die Straße runter geht es wiederum rechts ab zu einem Staudamm. Hier wird das Gletscherwasser in eine Staubecken gesammelt und daraus wird Strom erzeugt. Am Rande des Stausees befindet sich die Staumauer, über die man hinweggehen und eine kleine oder auch größere Wanderung starten kann. Im Jahr 2002 kamen uns auf der Mauer 2 Jäger entgegen die uns gleich ansprachen und den Kindern einige ihrer selbst gepflückten Pflaumen anboten.

In Norwegen ist es übrigens üblich, dass man sich kurz unterhält, wenn man sich abseits des Weges auf einer Wanderung oder eines ausgedehnten Spazierganges trifft. Die beiden erzählten uns damals, dass es dort oben bereits im September auch schon mal Schnee geben kann und wir schon reichlich Glück mit dem Wetter hatte. Dieses Jahr hatten wir leider nicht so viel Glück mit dem Wetter und die beiden Jäger haben wir auch nicht wieder getroffen.

An dem Staudamm kann man sich etwas abseits auch an den See setzen und die Füße in das Eiskalte Wasser halten oder aber, wie es Janet passiert ist, vor den Schafen flüchten…….

Fazit zum Folgefonna Gletscher

Der Folgefonna Gletscher und auch der Folgefonna Nationalpark bieten fantastische Naturerlebnisse. Sowohl Spaziergänger als auch Extremwanderer kommen dort ganz auf ihre Kosten. Und selbst Skifahrer können am Sommerskicenter das ganze Jahr über ihrem Hobby frönen. Skifahren brauchen wir nicht und sind eher so Spazierwanderer und somit war der Ausflug in die Region für uns genau das Richtige.

https://folgefonna.info/de/folgefonnas-zahlreiche-attraktionen/historische-wanderweg-uber-folgefonna/