Mit der Fähre nach Lettland – Travemünde bis Liepaja

von | 08.07.2019 | Lettland, Reiseziele | 0 Kommentare


Im Juli 2019 musste ich beruflich nach Lettland. Um dahin zu kommen gab es einige Möglichkeiten. Die schnellste und für berufliche Reisen wohl auch sinnvollste ist, mit dem Flugzeug bis Riga zu fliegen. Aber warum soll man immer das Sinnvollste machen. Also entschied ich mich einfach mal die Fähre nach Lettland zu nehmen. Von Deutschland aus gibt es zur Zeit nur noch eine Fähre in Richtung Lettland. Das ist die Fährverbindung von Travemünde über die Ostsee bis nach Liepaja.

Der Hafen von Travemünde

Der Fährhafen in Travemünde ist der Skandinavienkai. Von hier aus fahren Fähren in alle Richtungen in Skandinavien. Und hier startet somit auch die Fähre Richtung Liepaja. An Hamburg vorbei geht es auf der A1 Richtung Lübeck und dann weiter nach Travemünde. Der große Vorteil dabei ist, dass ich nicht durch den Elbtunnel musste, was gerade zur Ferienzeit sicher zu einiger Verzögerung geführt hätte. Der Skandinavienkai ist auf dem letzten Stück der Strecke sehr gut ausgeschildert. Er unterteilt sich Nord- Süd und Hauptteil, wobei die Fähre nach Liepaja vom Hauptteil aus fährt. Irgendwann bin ich dann an verschiedene Fahrspuren angekommen und musste dann nur noch der Stenaline-Spur folgen.

Die Spur führte dann geradewegs zu dem Schalter an dem ich meine Buchungsunterlagen abgeben musste und die Boardingkarten für das Auto, den Anhänger und meine Wenigkeit bekommen habe. Der Herr am Schalter war sehr nett und hat mir den Lageplan mitgegeben, auf dem eingezeichnet ist, wie man zum Pier 3 kommt, von wo aus die Fähre nach Lettland startet. Ich bin dann gefühlt einmal über den ganzen Skandinavienkai gefahren um zu Pier 3 zu kommen. Dort habe ich mich dann einfach hinter die anderen Fahrzeuge in die 2. Reihe von rechts gestellt. Die linken Spuren sind meist für die LKWs gedacht.

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Die Buchung

Die Fähre nach Lettland ist insgesamt 26 Stunden unterwegs. Ich habe sie etwa 2 Wochen vor Abfahrt im Internet über die Plattform Direct Ferries gebucht. Später habe ich festgestellt, dass ich etwas Geld hätte sparen können, wenn ich über Stenaline direkt gebucht hätte. Aber OK. Die Überfahrt (einfache Richtung) kostet um die 290 Euro und wird teuerer, je näher das Datum der Überfahrt kommt. Im Preis bei Direct Ferries ist ein Schlafsessel im Ruhebereich bereits enthalten. Wenn ich eine Kabine hätte haben wollen, dann hätte ich definitiv früher buchen müssen, denn die Kabinen sind meistens ausgebucht. Die Buchung über Direct Ferries geht übrigens etwas einfacher als bei Stenaline, denn dort brauchte ich nur das Fabrikat und den Typ meines Fahrzeuges angeben und die Plattform errechnet daraus automatisch die Länge und Höhe. Das funktioniert natürlich nur so lange wie ich kein sehr exotisches Fahrzeug oder ein selbstgebautes Wohnmobil fahre.

https://www.directferries.de/

https://www.stenaline.de/unsere-routen/travemuende-liepaja/fahrplan

Das Boarding

Die Fähre von Travemünde nach Liepaja fährt 5 mal die Woche zu unterschiedlichen Zeiten. Ich bin am Montag gefahren, da geht es ab 10:00 Uhr los. Die gesamte Überfahrt dauert 26 Stunden und so ist man am nächsten Tag um 13 Uhr in Liepaja.

Für das Boarding war ich 2,5 Stunden vorher am Kai. Das ist auch die Zeit, die seitens der Reederei gefordert wird. Aus eigener Erfahrung kann ich allerdings sagen, das 1 Stunde vorher mehr als genug ist. Um 07:00 Uhr lief die Fähre ein. Bevor dann alle LKWs und PKWs von Bord sind, dauert es gut 1 – 1,5 Stunden. Also so 8:00 – 8:30 geht es dann los mit dem Boarding. Und dann kommen erst mal die LKWs dran bevor die PKWs aufs Schiff dürfen.

Gordigear auf dem Weg nach Lettland

Fährfahrt nach Liepaja

Auf der Fähre

Nun war ich mit unserem Zeltanhänger unterwegs und so schön der hinter dem Fahrzeug hinterherfährt, ist er beim Rückwärtsfahren ein ganz schöne Zicke. Jeden kleinen Lenkeinschlag quittiert der Anhänger mit doppelt so starken Schlenkern nach Lins oder Rechts. Vielleicht hätte ich vor der Fahrt noch mal Rückwärtsfahren üben sollen, denn oben auf dem Deck der Fähre wird rückwärts in die Spur eingeparkt.

Gordigear auf der Fähre

Rückwärts eingeparkt nach Lettland

Nach dem Einparken bin ich dann wie alle anderen hoch aufs 6. Oberdeck und habe mich an der Rezeption angemeldet. Dort habe ich dann die Karte für meinen Ruhesessel und später dann auch einen Schlüssel für ein Schließfach bekommen. Das Schließfach bekommt man übrigens nur wenn man ein Pfand an der Rezeption lässt. Ich habe einfach meinen Reisepass dort hinterlegt.

Also um es ehrlich zu sagen, würde ich immer versuchen eine Kabine zu ergattern. Ich war alleine Unterweges und da bekommt man die 26 Stunden Überfahrt auch irgendwie ohne Kabine rum. Wenn Ich aber mit Kindern unterwegs sein sollte, dann buche ich auf jeden Fall eine Kabine. Den Rückzugsort benötigt man dann einfach. Ich weiß das aus eigener leidvoller Erfahrung…

Abwechslung auf Fähre nach Lettland

Viel Abwechslung gibt es da nicht auf der Fähre. Die Fähre hat ein Sonnendeck, wo ich mich bei schönem Wetter hinsetzen konnte. Ich hatte sehr schönes Wetter auf der Überfahrt und habe die meiste Zeit draußen auf dem Sonnendeck verbracht. Die Fähre war bei mir nur zu 3/4 voll und da haben sich die Menschen alle ganz gut verteilt. Ich glaube aber, wenn die Fähre voll ist, ist das da nicht ganz so gemütlich. Es gibt eine Bar, ein Duty Free Shop und einen Speiseraum der ein Mittagessen, ein Abendessen und ein Frühstück anbietet. Das Essen da ist OK, mehr aber nicht. Die Bar hat nur geöffnet wenn der Speisesaal und der Shop geschlossen sind. Also immer rechtzeitig mit den nötigen Getränken eindecken. Der Getränkeautomat auf dem Deck nimmt nur Kleingeld.

Sonnendeck auf der Fähre nach Liepaja

Ein bisschen Sonnen auf Deck

Der Ruheraum

In dem Ruheraum, in dem ich war, gab es Sessel für etwa 40 Personen. Dass es da nicht so ruhig zugeht wie es soll, ist denke ich klar. Naja ich habe den Tag dort nur mal kurz versucht die Augen zuzumachen. In dem Raum sind auch Schließfächer, in denen ich meine Sachen einschließen konnte. Dafür musst ich aber, wie gesagt, an der Rezeption einen Schlüssel abholen und einen Pfand hinterlegen.

Das Internet

Auf der Fähre gibt es kostenloses WLAN mit Internetanbindung. Das Internet ist allerdings sehrseeehhr langsam. Es geht um damit Nachrichten über einen Messanger zu versenden, aber um wirklich im Internet zu surfen, ist es deutlich zu langsam. Naja sind ja auch einige Menschen da an Bord. Da die Fähre aber die ersten Stunden noch sehr lange und er Nähe von Land fährt, hatte ich auch immer mal wieder normales LTE vom Festland her. Erst wenn die Fähre an Bornholm vorbei ist, hat es sich mit dem LTE oder UMTS-Empfang.

Die Toiletten

Auf der Fähre gibt es für alle die keine Kabine haben, eine Herrentoilette und eine Damentoilette sowie eine Toilette für Behinderte. In der Herrentoilette gibt es dann tatsächlich 2 Toiletten und 2 Pissoires. Die Toiletten wahren 3 mal besetzt und erst mein 4. Anlauf dahingehend war ich erfolgreich. Aber zumindest waren sie sauber.

 

Schlafen auf der Fähre

Also, wenn es keine Kabine gibt und ich die Fähre irgendwann noch einmal nehmen sollte, dann würde ich auf jeden Fall einen Schlafsack und eine Isomatte mit an Bord nehmen. Das sollte man übrigens gleich machen, denn während der Überfahrt kommt man nicht mehr an das Auto.

An Deck gibt es überall Ecken und Winkel wo ich einen Schlafsack ausbreiten kann und die Mannschaft sagt auch nichts dazu wenn man sich dort niederlässt. Nur den Speisesaal sollte man bis zum nächsten Frühstück räumen. Bei meiner Überfahrt hatte sich dort eine Gruppe Jugnedlicher ausgebreitet, die dann am Morgen von den Damen der Kombüse verscheucht wurden.

Wenn das Wetter schön und die See ruhig ist, würde ich mir eine der Sonnenliegen an Deck zum Schlafen aussuchen. Das haben auf meiner Überfahrt auch einige so gemacht und ist definitiv eine bessere Alternative als sich im Schlafsessel den Rücken zu rampunieren.

Ruhesessel auf der Fähre nach Lettland

Bequem war es nicht

Arbeiten auf der Fähre nach Lettland

Da ich nicht so früh schlafen wollte, habe ich mir einen Platz zum Arbeiten gesucht. Das WLAN kann man für das Arbeiten übers Internet vergessen, aber offline Texte schreiben oder software schreiben geht natürlich. Da in der Bar sehr viel Andrang war und sich besonders die LKW-Fahrer ein Bier nach dem anderen in den Kopf drehten, habe ich mich in den Speisesaal gesetzt und dort gearbeitet.

Arbeiten auf der Fähre nach Lettland

Mein Arbeitsplatz mit Meerblick