Eine Diskussion bei Facebook

Letztens war ich mal wieder auf Facebook unterwegs und las einen Beitrag einer Landwirtin, die sich darüber ärgerte, dass sie immer wieder Hundekot auf ihrem frisch gemähten Gras findet. Das Gras wird schließlich zur Fütterung der Kühe genutzt. Darum sollten Hundehalter dafür sorgen, dass ihre Hunde nicht auf frisch gemähten Wiesen ihre Notdurft verrichten oder die Hinterlassenschaften zumindest entfernen.

Ekel und Halbwissen

Zunächst mal ist das mehr als einleuchtend, dass die Landwirtin sich darüber ärgert. Das ist ja auch ziemlich ekelig. Hundekot gehört nicht in die Nahrung für Kühe. Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr relativierte sich jedoch dieser Ekel. Rehe, Füchse, Wildschweine und Hasen kümmern sich auch nicht darum, dass das Gras frisch gemäht und als Nahrung für Kühe gedacht ist. Die hinterlassen ihre Exkremente seit jeher einfach da wo sie hinfallen. Mal ganz zu Schweigen von hunderten Vögeln, die über diese Wiesen fliegen und das ganze schöne Gras bekleckern. Vor allem der mit Parasiten verseuchte Kot von Füchsen und Tauben ist wohl genauso ekelig, wie der von Hunden.

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Was ist denn nun der Unterschied zwischen Hundekot und den Ausscheidungen der Wildtiere? Die Diskussion zu dem Beitrag ging dann auch schnell in diese Richtung. Die Behauptung wurde aufgestellt, dass Hundekot im Viehfutter nicht nur eklig ist sondern auch zu Fehlgeburten bei trächtigen Rindern führt und darüber hinaus auch für den Tot der Muttertiere verantwortlich ist. Eine genaue Begründung warum das denn so ist und warum nur Hundekot dafür verantwortlich sein soll, wurde nicht genannt. Die Landwirtin erklärte lediglich, dass das von Tierärzten festgestellt wurde und dass der Kot anderer Tiere nicht gefährlich sei. Auch Fuchskot sei nicht problematisch.

Fake oder Fakt?

Wie so oft wurde die Diskussion schnell von Hunde-Bashern unterwandert und aus einer halbwegs ordentlichen Diskussion wurden Beschimpfungen und Verallgemeinerungen. Leider finde ich den Thread auch nicht mehr in meiner Historie. Vielleicht wurde er einfach deswegen wieder gelöscht.

Aus dem Grund habe ich mir mal die Mühe gemacht und zu diesem Thema die Fakten aus dem Internet zusammengesucht. Die Artikel zu diesem Thema sind meist von Biologen oder Veterinären verfasst und nicht sehr gut zu lesen. Ich habe die Fachausdrücke bestmöglich so dargestellt, dass sie auch für nicht-Veterinäre lesbar sind.

Worum geht es eigentlich? Fakt ist, dass Hundekot einen Parasiten enthalten kann, der auf den schönen Namen Neospora Caninum hört. Dieser einzellige Parasit kann eine Infektionskrankheit auslösen, die Neosporose. Um diese Infektionskrankheit geht es eigentlich bei dem Thema. Während Hunde als Endwirte für den Parasiten (Endwirt = Tierart, die infektiöse Stadien beherbergt und ausscheidet) meistens keine Infektion bekommen, führt eine Infektion bei trächtigen Kühen (Zwischenwirt) häufig zu Fehlgeburten und eventuell auch zum Tod des Muttertieres. Hunde gelten heute als einzig bekannte Endwirte. Soweit die Fakten.

Wie wird Neospora Caninum übertragen

Die Übertragung des Parasiten kann über mehrere Wege verlaufen. Ein Zwischenwirt (Rind) bekommt ein mit Neospora-Eiern kontaminiertes Futter zu fressen und infiziert sich dadurch mit dem Erreger. Dies ist der Weg, den die Landwirtin in dem Facebook Beitrag anspricht. Da nicht jede Infektion zu einer Fehlgeburt führt, kann der Erreger auch vom Muttertier auf das ungeborene Embryo übertragen werden. Die geborenen Kälber sind dann selbst Zwischenwirte von Neospora Caninum. Eine weitere Art der Übertragung ist durch Zukauf bereits infizierter Muttertiere möglich.

Wie kommen aber die Erreger in das Viehfutter?

Damit ein Hund Endwirt wird, muss er sich zunächst selbst infizieren. Auch hier gibt es mehrere Wege der Infektion. Am häufigsten passiert die Ansteckung dadurch, dass Hunde infizierte Fehlgeburten oder auch Nachgeburten von Rindern fressen. Damit sind die häufigsten Träger der Parasiten Hunde, die Zugriff auf Aborte und Nachgeburtsmaterial haben. Das heißt, meist ist der eigene Hofhund oder ein Hund aus der direkten Nachbarschaft des Hofes der Überträger der Parasiten. Hat der Hofhund dann noch Zugang zu den Stallungen, ist die Übertragungskette zurück zum Rind geschlossen.

Weiterhin können Hunde die mit rohem Rindfleisch gefüttert werden als Träger für Neospora Caninum in Frage kommen. Diese infizierten Hunde können theoretisch, wenn ihr Kot ins Viehfutter gelangt, Rinder infizieren.

Stadthunde, die hauptsächlich Trocken- oder Dosenfutter bekommen, gelten in der Regel nicht als Träger des Parasiten, da dieser bei der Futterherstellung abgetötet wird.

Ein Hundehaufen = Eine Fehlgeburt?

Theoretisch ist es also möglich, dass ein Hundehaufen auf einer frisch gemähten Wiese zu einer Übertragung des Parasiten an Rinder führt. Wie verhält es sich nun in der Praxis? Hierzu gibt es 3 interessante Quellen:

https://www.lgl.bayern.de/tiergesundheit/tierkrankheiten/parasitosen/neospora_caninum/

http://www.svk-asmpa.ch/hund/neospora/neopspora5.htm

https://www.fli.de/de/institute/institut-fuer-epidemiologie-ife/arbeitsgruppen/ag-neospora-caninum/

Nach dem Bericht des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ist es notwendig, dass mindestens 87 Hunde regelmäßig (2 – 5 mal die Woche) während der Weidesaison ein Grünareal aufsuchen und dabei jedes mal ihre gesamte Tagesmange an Kot ausscheiden, um zumindest ein geringes Risiko für Fehlgeburten durch Neospora Caninum zu erzeugen. Der Artikel beschreibt allerdings nicht wie groß die  Weidefläche bei dieser Studie ist. Das LGL beruft sich dabei auf eine Studie des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI=Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit). Als Ergebnis der Studie geht das FLI davon aus, dass die nötigen Begehungsintensitäten durch Hunde in unseren Regionen nicht erreicht werden (Link 3). Auf der Seite des FLI findet sich auch ein Link, mit dem man die Studie als PDF herunterladen kann. Da nicht genügend Fallzahlen vorliegen, wurden in der Studie Worst Case Szenarien angewendet.

Die Schweizer Vereinigung für Kleintiermedizin (SVK) beruft sich in ihrem Bericht auf Studien aus Deutschland und der Schweiz, nach denen nur 1 ‰ aller Ausscheidungen von Hunden überhaupt Neospora Eier enthalten (eine positive Probe pro tausend Hunde) und es im Gegenzug eine sehr hohe Zahl von Infektiösen Ausscheidungen bedarf, damit sich Kühe überhaupt über das Futter anstecken. Hunde die in ländlicher Umgebung leben sind dabei deutlich öfter mit Neospora Caninum infiziert als Stadthunde. Dies deckt sich mit den Ergebnissen des FLI.

Das heißt, eine Ansteckung durch Hundekot auf einer frisch gemähten Wiese ist sehr sehr unwahrscheinlich, es sei denn, ich nutze die Wiese täglich auch noch für eine Hundeschule.

Sowohl das LGL Bayern als auch der SVK kommen zu dem Schluß, dass die beste Prävention gegen eine Neosporose Infektion die Aussperrung von eigenen Hofhunden vom Abortmaterial der Kühe ist. Gleichzeitig sollte ein Kontakt der eigene Hofhunde mit den Rindern wirkungsvoll unterbunden werden. 

Fazit zum Thema Hundekot

Alle hier dargelegten Informationen beruhen auf Studien. Studien sind halt auch immer nur so lange gültig, bis eine andere Studie das Gegenteil beweist.

Nach aktuellem Stand ist es theoretisch möglich, dass Hundekot auf abgemähten Weiden für Rinder gefährlich werden kann. Praktisch ist es aber sehr unwahrscheinlich. Trotzdem sollten wir Hundebesitzer sensibler auf dieses Thema reagieren und dafür sorgen, dass unsere Hunde nicht auf Weiden ihre Notdurft verrichten oder die Exkremente zumindest entfernen. 

Bei 70% der Landwirtschaftsbetriebe, bei denen Aborte durch Neospora Caninum nachgewiesen wurde, war ein Hofhund vorhanden. Daher sollten Landwirte keine Fehl- oder Nachgeburten auf dem Miststock entsorgen. Eigene Hunde sollten zudem keinen Zugang zu den Stallungen haben, da dort eine direkte Ansteckung wesentlich einfacher möglich ist.

Gerade in Gegenden in denen der Wolf sich wieder ansiedelt, birgt das Entsorgen von Geburtsmaterial von Rindern auf dem Misthaufen eine weitere Gefahr der Übertragung von Neospora Caninum. Der Wolf gilt neben dem Hund auch als Endwirt des Parasiten.

Weiterführende Links zum Thema Neospora Caninum

http://www.kuhgesundheit.de/2017/05/03/neosporose-beim-rind/

https://de.wikipedia.org/wiki/Neosporose

 

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