Weil’s roh einfach besser ist – Reisefotografie im RAW-Format

von | 17.06.2018 | Fotografie | 0 Kommentare

In diesem Artikel soll es um ein spezielles Format in der digitalen Fotografie gehen, dem RAW-Format. Was ist das überhaupt und wozu braucht man das denn überhaupt. Ich zeige hier ein paar spezielle Eigenschaften dieses Formates und werde auch den Unterschied zu so allgemeinen Formaten wie JPG oder PNG oder BMP erklären. Ich erkläre auch mal ganz einfach, was das RAW-Format technisch ist.

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Was ist das RAW-Format

Also, wenn Du eine Aufnahme mit Deiner Digitalkamera machst, dann wird das Bild zunächst durch die Linse in Deinem Objektiv eingefangen und kommt dann auf der Rückseite Deiner Digicam auf einem Bildsensor an. Dieser Bildsensor ist sozusagen an der Stelle, wo früher in einer analogen Kamera das Negativ war. Dieser Bildsensor hat viele einzelne Pixel, die das Licht einfangen und daraus ein Bild machen.  Meine alte Sony Alpha 65 hat einen Bildsensor mit 6000 x 4000 Pixeln. Damit bekomme ich also ein Bild mit 24.000.000 einzelnen Bildpunkten geliefert. Das ist schon ein ganz passabler Wert.

Normalerweise, also z. B. in Deinem Smartphone, wird dann das Bild vom Sensor weiter durch einen sogenannten Bildprozessor gepresst. Pressen im wahrsten Sinne, denn der Prozessor komprimiert diese Bilddaten und führt noch einige Verbesserungen an der Aufnahme durch. Der Bildprozessor erhöht den Kontrast, verbessert die Sättigung der Farben und macht sonst noch so Einges was man ihm programmiert hat.

Das, was dann da raus kommt, ist meist ein Bild im JPG-Format. Das Bild im RAW-Format wird dagegen vor dem Bildprozessor abgefangen und damit vollkommen unbearbeitet und unkomprimiert auf Deine Speicherkarte geschrieben. Zu der Aufnahme werden höchstens noch ein paar Daten hinzugefügt, wie etwa die Daten des Objektives, die Einstellungen Deiner Kamera und, falls Dein Fotoapparat das hat, die GPS Daten von dem Ort, wo Du Dich befindest. Da jeder Pixel mit einem eigenen Byte dargestellt wird, erhalte ich bei meiner Kamera ein RAW-Bild von  24 – 25 MByte auf der SD-Karte. Und das für jedes einzelne Bild. Also, das Bild im RAW-Format ist unbehandelt und sozusagen Rohmaterial. Daher auch der Name.

Monotone Farben im RAW-Format

Gerade bei Motiven mit monotoner Farbe ist eine hohe, unkomprimierte Auflösung wichtig, um Moiré-Muster zu verhindern

Was ist das RAW-Format nicht

Wie oben ja bereits beschrieben, ist das Bild im RAW-Format nicht bearbeitet oder verbessert und auch nicht komprimiert. Das RAW-Format ist allerdings auch nicht standardisiert. Die JPG-, BMP- oder das PNG-Formate müssen, egal durch welche Kamera sie erzeugt werden, immer in der gleichen Form und dem gleichen Format auf den Speicherchip geschrieben werden. Da geht es nicht, dass jeder Kamerahersteller sich mal so ein paar Änderungen überlegt und dann sein eigenes JPG-Format macht. Ganz anders dagegen das RAW-Format. Hier ist es tatsächlich jedem Hersteller überlassen, wie er seine Daten abspeichert. Das heißt, für Dich als Anwender dieses Formates, musst Du für jede Kamera eines speziellen Herstellers A oder B auch eine Software installieren, die in der Lage ist, das Format des Herstellers zu lesen.

Dazu kommt noch, dass die Bilder auch immer eine andere Endung haben. Die Bilder im RAW-Format von Sony haben die Endung ARW, Nikon nutzt dafür die Endung NEF oder NRW und Canon hat CRW, CR2 oder CR3 als Endung. Also, jeder Hersteller kocht da sein eigenes Süppchen. Gott sei Dank ist es aber so, dass die meisten Programme zur Bildbearbeitung bereits fertige RAW-Daten-Konvertierer enthalten und so auch die Daten von Deiner Kamera anzeigen können.

Das RAW-Format aus technischer Sicht

Jeder Bildpunkt in einem digitalen Bild wird als eine Zahl dargestellt, die Informationen darüber enthält, welche Farbe und welche Helligkeit der Bildpunkt besitzt. Um diese Informationen darzustellen, werden in einer normalen JPG-Bilddatei pro Bildpunkt Tonwerte, also die Helligkeitswerte, von 0 – 256 gespeichert. In einer RAW-Datei sind pro Bildpunkt oftmals Tonwerte in einem Bereich bis 16000 möglich. Noch extremer sieht der Vergleich bei dem Farbraum, also den verschiedenen Farben aus. Ein JPG-Bild kann maximal 16,7 Millionen Farben darstellen. Das klingt schon nach ziemlich viel. Vergleicht man das aber mit einem RAW-Bild, wird der Unterschied schnell klar. RAW Dateien speichern bis 4 Billionen verschiedene Farben und selbst meine betagte Sony Alpha 65 kann bereits 68 Milliarden Farben unterscheiden. Natürlich ist das mit bloßem Auge nicht erkennbar, erlaubt aber in der Nachbearbeitung ungeahnte Möglichkeiten.

 

Feine Farbabstimmungen im RAW-Format

Gerade bei Herbstbildern mit vielen ähnlichen Farben ist eine feine Abstufung notwendig

 

Das heißt, die Information im RAW-Format hat eine viel höhere Auflösung. Während das JPG-Bild sehr stark komprimiert ist und damit Bildinformationen verloren gehen, werden RAW-Daten nur sehr wenig bis gar nicht komprimiert. Durch alle diese Faktoren enthält eine Aufnahme im RAW-Format selbst in sehr hellen oder dunklen Bereichen deutlich mehr Informationen, als eine JPG-Datei. Dadurch ist es möglich, im Nachhinein, also am PC mit einem Bildbearbeitungsprogramm, aus den Bildern noch viel mehr an Bilddetails herauszuholen.

Detailzeichnung im RAW-Format

Links das Bild im RAW-Format und rechts als JPEG aufgenommen. Die dunklen Bereiche im RAW-Format enthalten deutlich mehr Zeichnung.

Man spricht dann auch davon, dass man das Bild entwickelt. Für dieses Entwickeln von RAW-Aufnahmen gibt es spezielle Programme, die RAW-Entwickler genannt werden. Ich nutze dafür den RAW-Entwickler Capture One Pro von der Firma PhaseOne.

Capture One

Vorteile des RAW-Formats

  • Die Bilder haben durch den größeren Tonwertumfang und die höhere Farbtiefe mehr Informationen im Bild
  • Durch mehr Informationen kann das Bild im Nachhinein besser bearbeitet werden.
  • Bei Unter- bzw. Überbelichtung kann die Belichtung um bis zu 3 Stufen korrigiert weden
  • Die Farben wirken nach der Bearbeitung brillianter
  • Dunkle, sowie helle Bereich können während der Entwicklung verbessert werden. Sie enthalten deutlich mehr Details als bei JPG

Nachteile des RAW-Formats

  • Braucht sehr viel Speicherplatz
  • Muss auf jeden Fall bearbeitet werden
  • Leistungsfähiger Computer nötig
  • Programm zum Entwickeln des RAW Formates nötig
  • Braucht zum Speichern in der Camera länger, daher sind Serienaufnahmen begrenzt
  • Zum Anzeigen sind eventuell weitere Treiber für den Computer nötig

5 Tips für das perfekte Urlaubsbild im RAW-Format

Prinzipiell unterscheidet sich die Fotografie zwischen JPG- und RAW-Format nicht wesentlich. Trotzdem gibt es, aufgrund der besonderen Eigenschaften des Formates das ein oder andere zu beachten.

Tip 1: Komponiere Dein Bild

Ok, das gilt natürlich nicht nur für die Reisefotografie im RAW-Format, sondern allgemein für die Fotografie. Was Du bei der Komposition Deiner Aufnahmen beachten solltest und wie Du gute Bilder arrangierst, findest Du übrigens im 1. Teil dieser Serie von Artikeln:

Von der Aufnahme zum Bild – Urlaubsfotos digital entwickeln

Tip 2: Mache 2 Bilder

Das heißt nicht, dass Du immer 2 Aufnahmen von dem selben Motiv im RAW-Format machen sollst. Die meisten Kameras, die ein Fotografieren im RAW-Format unterstützen, haben eine Einstellung, die es ermöglicht, immer 2 Aufnahmen zu generieren. Eine Aufnahme im RAW-Format und gleichzeitig eine Aufnahme, die durch den Bildprozessor der Kamera bearbeitet wird, meistens im JPG-Format. Warum das? Ganz einfach: Erstens kann man auf einem Computer ein JPG immer anzeigen lassen und das auch immer deutlich schneller als ein RAW-Format. Dadurch musst Du nicht immer erst Dein Programm zur RAW-Entwicklung aufrufen um eben mal die Bilder durchzusehen, die Du gerade gemacht hast. Zweitens hast Du damit immer ein fertiges Bild, das Du sofort, ohne es zu bearbeiten, in Deine Social Media Kanäle hochladen kannst.

Das RAW-Bild müsstest Du ja erst entwickeln, bevor Du es hochladen kannst. Das spart Zeit und hält Deine Fangemeinde immer auf den aktuellsten Stand. Bilder die Du so gut findest, dass Du sie in Deine Galerie mit aufnehmen willst, kannst Du ja später nach dem Bearbeiten hochladen.

Tip 3: Richtig Belichten

Wahrscheinlich schaust Du durch den Sucher Deiner Kamera und drückst auf den Auslöser, wenn das Bild im Sucher hell genug erscheint. Die meisten Kameras haben ja eh eine Automatik und die nimmt dann schon alles richtig auf. Weit gefehlt. Mit etwas Übung solltest Du Dich langsam an die manuellen Programme Deiner Kamera herantasten, denn gerade im RAW-Format sollte man, je nach Kamerahersteller, die Bilder unterschiedlich belichten. Vor ein paar Jahren war es noch so, dass alle Bildsensoren in den hellen Bereichen weit aus mehr Dynamik aufnehmen konnten, als in den dunklen Bereichen. Also hätte man zu der Zeit möglichst alle RAW-Aufnahmen eher überbelichten müssen, um möglichst wenig dunkle Bereich im Bild zu haben.

Aber, auch die Bildsensoren haben sich weiterentwickelt. Heute setzen vor allem die Kamerahersteller SONY und NIKON Sensoren ein, die in den dunklen Bereichen weit aus mehr Informationen speichern können als in den hellen Bereichen. Anders bei Canon, wo mehr Dynamik in den hellen Bereichen möglich ist. Also, wenn Du eine Sony oder Nikon hast und im RAW-Format fotografierst, solltest Du immer etwas unterbelichten. Bei Canon solltest Du immer etwas überbelichten aber bitte die Warnung vor Überbelichtung im Menu der Kamera aktivieren, damit die hellen Bereiche nicht zu hell werden.

Links siehst Du oben die originale Unterbelichtung, rechts das Bild nach der Bearbeitung

Tip 4: Nutze mehrere Speichermedien

An diesem Punkt scheiden sich die Geister ein wenig. Es gibt Fotografen, die empfehlen Speicherkarten mit nicht mehr als 8 GByte einzusetzen, besser sogar nur 4 GByte. Der Grund dafür liegt in der Menge an Fotos, die auf so  einer Karte gespeichert werden können und was passieren kann, wenn die Karte mal kaputt geht, denn das kann passieren. Auf einmal sind alle Deine Fotos auf der Speicherkarte nicht mehr lesbar. Katastrophe! Wenn Du nun nur eine 4 GByte Karte an Stelle einer 64 GByte Karte hast, sind entsprechend weniger Bilder verloren.

Meine Meinung dazu ist: Egal wie groß die Karte ist, wenn gerade auf der 4 GByte Karte die Fotos sind, die Du verkaufen willst oder die für Dich den besten Erinnerungswert haben, ist es egal ob das 100 oder 500 Fotos sind die verloren gegangen sind. Weg ist weg. Ich nutze meine Kamera zudem nicht nur für Fotos, sondern auch zum Filmen. Daher kommen für mich keine Speicherkarten unter 64 GByte in Frage. Wie kann man das Problem nun lösen.

Problem gelöst

Auf meinen Reisen kopiere ich meine Aufnahmen nach jedem Tag sofort auf meinen Laptop und weiterhin auf eine externe Festplatte, die ich immer dabei habe. Immer wenn ich eine gute Internetverbindung habe, sichere ich dann die Fotos auch noch auf meinen Server, den ich zu Hause stehen habe und auf den ich auch von unterwegs zugreifen kann. Alternativ kannst Du Dir ja auch einen Cloudservice einrichten, auf den Du dann Deine Daten ablegst. Damit habe ich immer 4 Kopien der Fotos und damit die Sicherheit, dass keine Fotos verloren gehen können. Das einzige, was passieren kann ist, dass die Speicherkarte während meines Ausfluges kaputt geht, bevor ich wieder am Rechner bin und die aktuellen Bilder sichern kann. OK, damit muss und kann ich leben, denn das kann niemand verhindern.

Hier eine Auswahl an Speichermedien, die ich für das Fotografieren und Filmen nutze:

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Tip 5: Nimm Dir Zeit für die Entwicklung

RAW-Aufnahmen müssen entwickelt werden. Ohne diesen Schritt sehen die Bilder immer eher flach und kontrastarm aus. Wenn Du von einem Ausflug zurück kommst und Deine Aufnahmen gesichert hast, such Dir die besten aus. Sei dabei sehr kritisch und entwickle nur die, die sich wirklich lohnen. Wenn Du den 2-Bilder Tip berücksichtigst, hast Du ja sowieso von jedem Bild auch ein JPG. Wenn Du Dir die Bilder ausgesucht hast, die es Wert sind entwickelt zu werden, dann lass Dir Zeit, mach Dich mit Deinem RAW-Entwickler vertraut und probiere viele Veränderungen und Einstellungen. Das gute an diesen Programmen ist, dass Du immer wieder alle Einstellungen und Nachbearbeitungen rückgängig machen und wieder mit dem Original loslegen kannst. Für das Entwickeln Deiner Bilder empfehle ich Dir den RAW-Entwickler von der Firma PhaseOne.

Der Entwickler heißt Capture One Pro und ich nutze den auch schon seit etlichen Jahren und bin sehr angetan von der Software. Bei dieser Software ist es möglich dutzende Einstellungen in verschiedenen Gradationen zu ändern. Belichtung, Farbkorrektur, Klarheit, Maskierung oder die Erstellung von Schwarzweiß Aufnahmen, alles ist möglich. Das Internet enthält auch eine Reihe von Tutorials für die RAW-Entwicklung. Da es schwierig ist all diese Funktionen hier schriftlich zu erklären, habe ich eine kleine Reihe von Videos erstellt, um Dir die Software von PhaseOne und das entwickeln von RAW-Aufnahmen im Detail zu erklären. (Zu diesem Artikel gibt es jetzt den 2. Teil der Videoreihe “Von der Aufnahme zum Bild” und diesen findest auf YouTube unter folgender Adresse:)

Leider bin ich noch dabei, den 2. Teil aufzunehmen, daher hier noch mal der Link zum 1. Teil der Reihe. Schau in den nächsten Tagen einfach ab und an mal vorbei oder abonniere einfach meinen Newsletter, dann wirst Du immer automatisch benachrichtigt, wenn es was neues auf diesem Blog gibt.