Nordnorwegen im Winter – von Alta ans Nordkap

von | 07.02.2019 | Reisetagebücher | 2 Kommentare

Nordnorwegen im Winter – von Alta zum Nordkap

Während unseres Roadtrips zum Nordkap haben wir in Alta Station gemacht und sind schließlich von dort aus auch zum Nordkap aufgebrochen. Ein Super Apartement, eine schöne Kirche und das Nordkap waren die Highlights unseres Aufenthaltes. Wenn Du alles über unseren Roadtrip erfahren möchtest, kannst Du auch in unserem Reisetagebuch stöbern oder Du liest die den ersten Teil durch, in dem wir den Winter in Schweden erfahren haben

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15.01.2019 Richtung nördlichste Station Alta

Heute stand unsere längste Etappe dieser Tour an. 750 km durch Nordschweden, Nordfinnland und Nordnorwegen bis nach Alta. Um ehrlich zu sein hatte ich besonders vor Lappland echt Respekt. Vor wenigen Wochen viel dort das Thermometer noch -28°C und das ist dann kein Spaß mehr. Wie verhält sich das Kühlsystem des Wranglers, wie nehmen die Reifen die Temperatur und schließlich, wie kalt wird es im Wrangler wenn die Kühlflüssigkeit nicht mehr auf Temperatur kommt. Brauchen wir vielleicht einen zusätzlichen Kühlerschutz? All das hatte ich mir im Vorfeld durch den Kopf gehen lassen. Naja, es sollte dann doch nicht ganz so schlimm kommen 😉

Packen und Dresscode für den kalten Norden

Wir sind um 4:00 Uhr in Skelleftea in Schweden aufgestanden, haben uns fertig gemacht und ein schnelles Fühstück eingenommen. In Skelleftea hatten wir die Nacht -12°C und ich hatte sicherheitshalber den Abend vorher schon unsere Dieselheizung auf dem Autodach vorbereitet, damit ich die nach dem Aufstehen gleich anstellen konnte, um es im Inneren des Wranglers schön warm zu bekommen, bevor wir losfahren. Es gab ein schnelles Frühstück, aber auf jeden Fall mit einem ordentlichen Cappuccino aus unserer Reisecappucinokanne (Siehe Bildergalerie vom Vortag). Das Packen geht jetzt schon zügig und jeder weiß was wann wohin kommt. Das Dach des Wranglers ist jetzt schon fast mein zweites Zuhause. Wie immer ist das zusätzliche LED Licht im Auto eine große Hilfe beim Packen und für die Dacharbeiten benutze ist die Strinlampe unersetzbar.

Ab heute geht es in die wirklich kalten Regionen und wir haben uns entschieden schon mal einen Teil unserer wärmeren Klamotten auszuprobieren. Dazu gehörten für den Tag ein langärmliges Unterhemd aus Merino-Wolle und der Norwegerpullover. Ich trage eine gefütterte Outdoorose und Janet hat sich für eine dickere Jagdhose von Pinewood entschieden. Jacken haben wir aus Platzgründen eh jeder nur eine mit. Ich hab eine Daunenjacke und Janet eine dicke Skijacke. Tatsächlich kann ich einen großen Teil der Sachen ohne Jacke draußen packen und das bei -12°C. So ein Norwegerpullover hat schon seine Begründung oder wie Janet sagt: „Die Schafe wissen schon, warum sie Wolle tragen.“

Auf gehts, ganz nach oben

Um 6:00 Uhr ging es los, weiter der E4 entlang, dann auf die E10 und schließlich rüber zur finnischen Grenze bei Övertorneå. Nach etwa 2h und 180 km Fahrt haben wir noch mal getankt und auch die Reservekanister und den Tank der Dieselheizung aufgefüllt. So konnte uns erst mal nicht viel passieren, sollte sich Lappland doch noch als Timbuktu herausstellen.

Pünktlich kurz vor der finnischen Grenze bekam ich dann einen beruflichen Anruf aus Bayern und dadurch verpassen wir tatsächlich den Grenzübertritt. Allerdings ist der Grenzübergang auch wirklich kaum zu erkennen, denn es geht einfach nur über den Fluß Torne Älv und das wars. Den nächsten Punkt, an dem wir einfach vorbei gefahren sind war der Polarkreis. Das hat uns schon etwas geärgert, denn wir wollten eigentlich ein Foto machen wie wir auf dem Polarkreis stehen. Allerdings ist das Hinweisschild an der finnischen Europastraße so dämlich, dass man das glatt übersieht oder einfach nur für eine Restaurantwerbung halten könnte.

Einsamer Norden

Die Fahrt durch den Norden Finnlands ist einsam, sehr einsam. Teilweise fährt man 2h ohne ein anderes Auto oder eine Ortschaft zu sehen. Wenn wir hier in den Graben fahren, dann dauert es wahrscheinlich einige Stunden bis wir gefunden werden oder bis Hilfe da ist. Langsam wurde es auch wieder dunkel und die Landschaft dadurch noch einsamer.

So lange es noch hell war, wollten wir noch mal auf einem Rastplatz halten und eine Kleinigkeit essen. Janet fuhr und wir hatten einen Rastplatz gefunden und wollten rauffahren. Ich muss sagen, vor lauter weiß in weiß und wenig Licht sieht man manchmal nicht mehr wo geräumt ist und was eine Schneewehe ist. So hat Janet dann bei der Auffahrt zum Rastplatz mit dem rechten Vorderreifen eine Schneewehe erwischt. Da wir mit dem Wrangler unterwegs sind, war das kein Problem, denn der ist da einfach durchgefahren. Aber mit einem kleineren Fahrzeug wäre das sicher anders ausgegangen. Wir fuhren einfach durch die Schneewehe, als wäre nix gewesen. Bei -17°C haben wir dann noch eine Stulle hinten am Wrangler gegessen. Die Hunde haben sich beim Pipi-machen beeilt und waren ziemlich schnell wieder im Kofferraum verschwunden.

Den nächsten Punkt, den wir verpasst haben, war dann die norwegische Grenze. Janet sagt noch: „Da bauen die hier doch glatt einfach ein Haus mitten auf die Fahrbahn“, und schwubs, da waren wir auch schon drum herum gefahren und in Norwegen. Kein Schild, kein Hinweis, kein Schlagbaum, einfach nix, nur ein Haus mitten auf der Strasse.

Fahradreisen bei -19°C

Der Rest der Strecke ging über Hochebenen und Berge bis nach Alta. Die einzige Begegnung der 3. Art die wir auf der Strecke in Nordnorwegen noch hatten war ein Fahrradfahrer, der sich bei stockfinsterer Polarnacht und -19°C den Berg rauf über das Fjell quälte. 100 km hinter uns keine Ortschaft und 100 km vor uns auch keine. Wir haben zunächst nur ein kleines Blinklicht in der Dunkelheit gesehen und dann beim Näherkommen erkannt, dass das ein Fahrrad ist. Der Typ war mit Sicherheit suizidgefährdet. Auf der Strecke sind LKWs unterwegs und die nehmen echt keine Rücksicht. Oder wie Janet sagt: „Das kann doch jetzt wirklich keinen Spaß machen!“

Ankunft in Alta

Um 17:30 kamen wir in Alta Strand Camping an. Wir hatten dort ein Appartement gebucht für 2 Personen + 2 Hunde. Kurz eingecheckt und eingezogen. Da wir hier 3 Nächte verbringen werden haben wir diesmal unsere Schlafsäcke im Auto gelassen und die Betten richtig bezogen. Morgen werden wir ausschlafen und dann den Tag fast gar nichts machen. Nur einen Termin haben wir, den wir in Alta wahrnehmen wollen. Unser Apartment ist fantastisch und fast schon luxuriös eingerichtet. Ein Boxspringbett, eine fast schon luxuriöse Küche und obendrein noch ein Bad mit reichlich Platz machen den Aufenthalt sehr erholsam. Hier zum Schluß auch noch der Link zum Alta Strandcamping: http://www.altacamping.no/

Gegenstand des Tages – Tag 4

Unser Gegenstand des heutigen Tages ist der Norwegerpullover. Allerdings können wir den nicht ohne langärmliges Unterhemd empfehlen, da er sonst zu sehr kratzt. Aber er macht wirklich echt total warm. Die Sitzheizung im Auto kann erst mal aus bleiben.

16.01.2019 Verabredung in Alta

Für den Aufenthalt in Alta haben wir 2 Tage eingeplant. Den heutigen Tag wollten wir zum Erholen von 4 Tagen Autofahrt nutzen und morgen soll es dann zum Nordkap gehen. Erst mal haben wir aber ausgeschlafen (so bis 7:00 Uhr etwa). Wir haben in aller Ruhe gefrühstückt und dabei auch mal 2 Cappuccino getrunken. Nach diesem ausgiebigen Frühstück waren erst mal unsere Fellnasen dran. Die sind natürlich in den letzten 4 Tagen ein bisschen kurz gekommen, was die Bewegung angeht. Also sind wir erst mal zu einen schönen Spaziergang bei dämmrigen Licht durch die Natur aufgebrochen. 

Es geht auch noch verrückter

Unser Spaziergang führte zunächst über das Campinggelände und dann durch Feldwege und an Höfen vorbei. Ein schöner Rundweg, der direkt vom Campingplatz aus gegangen werden kann. Auf den ersten Metern auf dem Campingplatz sahen wir es dann schon. Ein kleines vollbepacktes Motorrad (mit Ersatzrad und Schaufel) lehnte an einer der kleinen Hütten. Wir waren erst mal wirklich sprachlos. Mit so einer Schaukelkiste hier her. Unglaublich. Uns viel sofort wieder der Fahrradfahrer von gestern Abend ein. 

Nachdem wir unsere Runde abgeschlossen hatten und wieder am Campingplatz ankamen, stand das Moped mitsamt Fahrer vor der Anmeldung und hatte ausgecheckt. Wir haben den jungen Mann natürlich gleich angesprochen und wollten wissen woher er kam und wohin es nun gehen sollte. Er ist ursprünglich aus Belgien und ist aber mit dem Moped seit Göteborg zum Nordkap unterwegs. Das Nordkap hatte er schon abgeschlossen und nun sollte es weiter gehen nach Kautokeino in Nordnorwegen und dann nach Kirkuna in Schweden. Keine leichte Strecke und vor allem ziemlich kalt. Richtung Kautokeino muss er über die Berge in denen wir am Vortag den Fahrradfahrer bei -19 °C gesehen hatten. Aber er hat ja Spikes und 2 Paar Handschuhe (nicht beheizt).

Alta

Zu Alta gibt es eine kleine, kuriose Geschichte. 

Wir hatten uns Alta als Station ausgesucht, weil wir uns mal die Nordlichtkathedrale ansehen wollten. Auf der Internetseite von n-tv gab es mal einen Bericht über diese Kathedrale, den ich sehr interessant fand. Noch interessanter war jedoch, dass der Bericht eine Touristenführerin erwähnte, die mit Nachnamen genauso heißt wie gute Freunde von uns. Im Bericht von n-tv scheint es so, als ob sie für die Kirche zuständig ist. Und da unsere gute Freundin in unserer Kirche jeden Freitag Suppe kocht und auch weitere Funktionen wahrnimmt, war klar, dass wir in Alta eine Verabredung haben werden.

Tanja, so heißt unsere Verabredung in Alta mit Vornamen, ist gebürtige Deutsche und vor einigen Jahren mit Mann und Kindern nach Alta ausgewandert. Die Frau wollten wir nun unbedingt treffen und so haben wir bereits am Frühstückstisch in ihrem Büro angerufen und sie auch tatsächlich gleich erreicht. Sie fand die Idee total cool und wollte sich mit uns um 12:00 Uhr in der Nordlichtkathedrale treffen.

Unser Date

So sind wir also um 20 vor 12 Richtung Alta Zentrum aufgebrochen. Es waren milde -12 °C und unsere Hunde mussten im Auto bleiben. Die können nicht mit rein in die Kirche. Also habe ich die Dieselheizung auf dem Dach angeschmissen und den Heizschlauch ins Auto gehangen, damit unsere beiden Fellnasen nicht frieren. Die Heizung auf halbe Leistung und dann ging es zur Kirche. 

Vor der Kirche haben wir erst mal ein paar Fotos gemacht und sind dann reingegangen. Wir wurden auch gleich von einer Kollegin von Tanja angesprochen und haben aber erklärt, dass wir auf Tanja warten. Also im Gegensatz zum Artikel bei n-tv ist Tanja nicht ausschließlich für die Kathedrale zuständig, aber wenn ein deutscher Journalist unangemeldet kommt, dann wird sie kurz mal herbestellt. Eigentlich ist sie in Alta Operations Managerin im Tourist-Office und organisiert Touren und andere Events für die Kreuzfahrer die hier ankommen.

Tanja kam 5 Minuten nach uns an und wir haben mit ihr erst mal Kaffee getrunken und typisch norwegische Waffeln gegessen. Ich glaube wir haben über eine Stunde zusammen gesessen und erzählt über Norwegen, Kirche in Deutschland und Norwegen das Leben in Nordnorwegen und so weiter. Es war toll und Tanja ist ein total sympathischer und offener Mensch. Wir haben uns mit ihr unterhalten als würden wir uns schon jahrelang kennen und ich glaube sie hat es auch genossen mal wieder deutsch zu sprechen ohne den typischen Touristen auf einer Führung vor sich zu haben. Es war ein echter Klönschnack wie wir bei uns sagen würden.

  

Die Nordlichtkathedrale

Das Gebäude der Kathedrale ist von aussen schon wirklich beeindrucken. Es ist zwar eine moderne Kirche die 2013 eingeweiht wurde, ist aber ein wirklich schöner Bau. Als wir den Vorraum der Kirche betreten haben, fühlten wir uns gleich willkommen. Der Vorraum ist ein Kaffee, das als Treffpunkt für alle Menschen gilt. Dort haben wir Kaffee getrunken und selbstgemachte norwegische Waffeln gegessen, die wir unbedingt empfehlen können (bitte original mit norwegischen Sauerrahm probieren).  

Beim Betreten des Kirchenschiffes gehen wir zuerst durch einen Teil des Turmes, der in der Kirche bis zum Boden geführt ist. Dort ist in etwa 3 Metern Höhe eine Himmelsleiter angebracht, die symbolisch in den Himmel hinaufführt. Die Kirche selbst ist gar nicht so groß, aber sehr, sehr schön gemacht. An den runden Wänden befinden sich Lichtinstallationen, die das Nordlicht nachahmen sollen und der Altarraum ist groß, offen und lichtdurchflutet. Hinter dem Altar steht eine ganz besondere Jesusstatue, die aus Bronze gefertigt ist. Wir waren sehr berührt von dieser Kirche.

Im unteren Teil der Kirche, also im Keller sozusagen, befindet sich eine Ausstellung über das Nordlicht. Die ist auch sehr sehenswert und wir empfehlen den Besuch auf jeden Fall. Leider waren schon 2 Stunden rum und unsere Hunde saßen immer noch alleine im Auto. Wir wollten jetzt dann auch mal wieder nach den beiden sehen.

Auf ein Wort, die Dieselheizung

Prinzipiell hätten wir die Dieselheizung nicht wirklich gebraucht. Die Hunde hätten es wahrscheinlich auch bei -12 °C im Auto überlebt. Aber das muß ja nicht sein. Wir hatten die Heizung in Gävle und Skelleftea bei -8 bis -12 °C in Betrieb, aber mehr damit es im Auto schön warm ist, wenn wir einsteigen. Hier in Alta haben sich unsere Hunde sicherlich gefreut, dass sie nicht im Auto frieren mussten. Ich habe die Heizung auf halbe Leistung laufen lassen und es war fast zu warm im Auto als wir nach 2h wieder am Auto waren. Aber alles gut.

Die Heizung macht mit ihren 4 kW aus dem Wrangler auch bei -12 °C eine mobile Sauna. Also mehr als genug Leistung für den Innenraum. Allerdings soll die Heizung ja als Zeltheizung für unser Anhängerzelt dienen. Der Innenraum des Zeltes ist natürlich um einiges größer als der des Autos. Ich denke das hier die 4 kW genau die richtige Leistung ist.

Gegenstand des Tages – Tag 5

Da heute nicht so viel Aufregendes passiert ist und wir keinen Gegenstand besonders hervorheben können, hat Janet entschieden, dass die Himmelsleiter in der Nordlichtkathedrale der Gegenstand des Tages wird. Es ist wirklich ein schönes Symbol und wir haben das in der Form noch nirgendwo anders gesehen. Wir denken das ist auf jeden fall ein guter Grund die Leiter zum Gegenstand des Tages zu küren.

17.01.2019 – Zum Nordkap

So, heute wollten wir nun endlich zu dem Ziel unserer Reise fahren. Etwa 240 km mussten wir dafür noch von Alta in Richtung Norden fahren. Tante Google.maps hatte für die Fahrt eine Reisezeit von 3h berechnet. Also wären wir um 10:20 Uhr da. Genug Puffer, sollte es doch irgendwelche kleineren Probleme unterwegs geben. Im Auto haben wir schließlich das Nordkapp ins Navi eingegeben und das Teil berechnet 4:30 Minuten für die Fahrt. Häh? Ankunft laut Navi 11:30. Wenn das so wäre, würden wir den ersten Konvoi, der von Skarsvåg die letzten 13 km zusammen mit dem Schneepflug zum Nordkap geht verpassen. Der geht nämlich um 11:00 Uhr. OK, schauen wir mal wer  recht hat, Tante Google oder das Navi. Auf geht es.

Durch dunkle Nacht

Um 7:00 ist es von Alta nordwärts zu der Zeit noch stockfinster. Es ist ja Polarnacht. Die Dämmerung erhellt die Umgebung so ab etwa 9:00 Uhr. Das Licht reicht dann, damit man sieht wo man hinfährt und man erkennt auch ein bisschen was von der Gegend. Ab 10:00 Uhr kann man dann auch mal die ersten Fotos mit hoher Empfindlichkeit oder langer Belichtungszeit aufnehmen. Zunächst mussten wir uns jedoch durch neu aufkommende Schneeschauer über die Straßen, über Berge und Täler und am Wasser vorbei im dunkeln kämpfen.

Hier möchte ich nochmal auf die Reifen eingehen: Achtung Werbung wegen Markennennung: Die Cooper Discoverer AT3 4S haben uns 2900 km bis hier oben in den Norden Skandinaviens gebracht und mussten heute noch einmal zeigen was sie können. 9% Steigung und Gefälle bei vereister Fahrbahn und die Gummis kraxeln und bremsen ohne nennenswerte Schwächen. Na klar, man kriegt jeden Reifen an die Grenze und auch Spikes hebeln die Gesetze der Physik nicht aus. Aber für All Terrain Reifen fahren die Teile sich extrem gut auf Schnee und teilweise vereister Fahrbahn. Ich würde mir diese Reifen immer wieder auf den Wrangler ziehen lassen. Best buy der Tour.

Emotionale Überforderung

Die Landschaft, die sich uns auf dem Weg zum Nordkap zeigte ist, ich will es mal so sagen, unglaublich. Dazu das immer in blau schimmernde Licht auf dem Schnee der Berge. Schwarze Fjorde und die Lichtpünktchen der einzelnen Häuser, der Städte und der Schiffe auf dem Fjord erzeugen eine Stimmung, die auch ich bis dahin nicht kannte. Janet war das dann irgendwann tatsächlich zu viel und sie fing neben mir auf dem (Gott sei Dank bin ich gerade gefahren) Beifahrersitz an zu weinen. Es war, ist, wie auch immer unglaublich. Ich möchte jedem mal empfehlen während der Polarnacht hier in den Norden zu kommen. Es ist wirklich eindrucksvoll. Leider können wir es nicht so beschreiben wie es war und auch die Bilder in der Galerie zu diesem Beitrag bringen die Emotionen mit Sicherheit nicht so rüber wie wir sie empfunden haben.

Google oder Navi, wer hat recht

Da wir um 7:00 Uhr abgefahren sind, hätten wir laut google um 10:20, laut Navi um 11:30 am Nordkap ankommen sollen. Wir haben für die Strecke trotz Schnee und Eis 3:20 Minuten benötigt und waren um 10:20 am Schlagbaum in Skarsvåg. Google hat also mal wieder recht behalten.

Vom Glück verfolgt

Als wir von Hønningsvag in Richtung Skarsvåg fuhren haben wir uns schon insgeheim auf eine Fahrt über das Fjell zum Nordkap in der Kolonne gefreut. Natürlich war die Enttäuschung groß, als wir in Skarsvåg ankamen und keine Fahrzeuge dort auf den Start des Konvois warteten und auch kein Schneepflug da war, um die Wartenden mitzunehmen. Stattdessen war die Schranke zu den letzten 13 km einfach offen. Was soll das denn. Nun das Wetter war einfach zu gut die Woche. Kaum Neuschnee und frühlingshafte Temperaturen von -5 Grad. Da braucht es einfach keinen Schneepflug. So machten wir also unser Foto ohne Schneepflug und fuhren los, die letzten Kilometer bis zum Ziel. Die waren dann noch mal ganz anders als die 230 km vorher.

Bis zum Kap erstreckt sich eine Hochebene, die komplett mit Schnee überdeckt ist. Alles ist weiß in weiß. Eine weiße Wüste. Irgendwann weiß man gar nicht mehr wo hin vor Weiß. Dann kommt aber schon das Nordkap-Gelände und man wird spätestens jetzt wieder aus seinen Träumen herausgerissen, wenn man den Eintritt bezahlen muss. 570 Kronen (umgerechnet etwas mehr als 57 Euro) kostet der Spaß dort zu parken sich alles anzusehen und in das Nordkap-Center zu gehen. Wer zu Fuß, mit dem Fahrrad oder einem E-Mobil anreist, der hat übrigens freien Eintritt.

So waren wir also um 10:30 bereits auf dem Gelände und mit uns noch ganze 5 weitere Personen. An der Weltkugel konnten wir in Ruhe unsere Fotos ganz alleine machen und waren mit allen Besichtigungen draußen fertig, bevor der erste Bus mit den Kreuzfahrern und Hurtigruten-Gästen ankam. Noch dazu bei klarstem Wetter und kilometerweiter Sicht. Das ist hier eher selten der Fall.

Nordkap Außenbereich

Der Außenbereich des Kaps ist überschaubar. Es gibt einen Parkplatz für PKWs und einen für Busse. Die Weltkugel (das Fotomotiv überhaupt) befindet sich ganz vorne an der Spitze. Dann gibt es noch ein paar Hinweistafeln zu Geschichtlichem und die Installation zu Kinder der Welt. Dabei handelt es sich um verschiedene Bronzebilder die nach Bildern von Kindern aus verschiedenen Teilen der Welt dort installiert wurden und sie symbolisieren eine über alle Grenzen reichende Zusammenarbeit, Freundschaft, Hoffnung und Freude. Gleich neben dieser Installation steht eine Skulptur, Mutter mit Kind, die von der Künstlerin Eva Rybakken stammt. Um sich das alles anzusehen muss man einige Meter zurücklegen, denn das Gelände ist recht weitläufig. Gerade im Winter stapft man dann auch einige Zeit durch Tiefschnee, denn nicht überall wird der Schnee hier weggeräumt.

Nordkap Innenbereich

Nachdem wir uns etwa 1 Stunde im Aussenbereich umgesehen hatten und so auch die Hunde auf ihre Kosten gekommen sind, haben wir die beiden Fellnasen wieder ins Auto befördert (diesmal ohne Heizung weil nur -5°C) und sind ins Nordkap-Center gegangen. Wir wurden gleich in Deutsch von einem der Mitarbeiter begrüßt: Toiletten 1. Untergeschoß, Film 3. Untergeschoß. Ausstellung ebenfalls 3. Untergeschoß. Die Toiletten und den Film haben wir uns angetan. Nein, das ist gemein, der Film ist wirklich gut gemacht. Er zeigt in schönen Naturaufnahmen das Nordkap und seine Bewohner über alle 4 Jahreszeiten hinweg. Nach dem Film haben wir uns noch 3 kleine Souvenirs gekauft (ein Nordkap-Tuch für Janet und 2 Emaille-Tassen für unsere Reise-Küche) und dann ging es auch wieder raus da und zum Auto. Am Auto haben wir noch einen Kleinigkeit gegessen und sind dann nach 2 Stunden am Kap wieder zurück in Richtung Alta gefahren.

Die gute tat des Tages

Kurz hinter Hønningsvag sahen wir dann auf einmal Warnblinker vor uns. Auf der Straße ist zu der Jahreszeit nicht viel Verkehr und wenn dort jemand mit Warnblinker steht, dann hält man auf jeden Fall an und schaut ob man helfen kann. Ein junges Pärchen aus Ungarn wollte ein schönes Foto von den beleuchteten Schiffen auf dem Fjord machen und er war dafür, wie sich das gehört, schön rechts ran gefahren. Dumm gelaufen, denn der Schnee liegt neben der Straße im Graben gleich mindesten einen Meter Fünfzig hoch und so steckte jetzt sein Vorderrad schön im Schnee und wollte nicht mehr raus. Abschleppseil hatte der junge Mann schon festgebunden, so dass Janet nur Rückwärts ran fahren musste um den kleinen Audi A4 aus der misslichen Lage zu befreien.

Den Rest der Fahrt ging es dann, durch die wieder dunkler werdende Polarnacht, um 13:00 Uhr zurück in Richtung Alta. Dort kamen wir um ca. 16:00 Uhr an und hatten den Rest des Tages Zeit die Bilder des Tages in unserem Kopf zu verarbeiten.

Gegenstand des Tages – Tag 6

Wir waren uns einig, die Reifen an unserem Wrangler sind der Gegenstand des Tages. Sie haben uns bisher über 3000 km durch den kalten Norden gebracht. Haben eine Schneewehe überstanden, 9% Steigung und Gefälle gemeistert und einen Audi aus dem Schnee gezogen. Was will man mehr?