Versorgungsbox für das Anhängerzelt- Strom und Wärme aus der Kiste

von | 03.10.2020 | Ausrüstung | 0 Kommentare

Seit fast 3 Jahren haben wir jetzt unser Anhängerzelt und sind damit schon an einigen Orten in Europa gewesen. Da wir das Reisen außerhalb der Saison lieben, da zu der Zeit viel weniger los ist, war auch klar, dass wir das ein oder andere Mal eine Heizung benötigen würden. Hierfür gab es in der Anfangszeit verschiedene Ansätze, von dem kleinen 2kW Elektroheizer über einen Petroleumofen bis hin zur Coleman Lampe und alles in Kombination. Aber das war alles nicht so ergiebig.

Nachdem wir dann im Oktober 2018 im Schwarzwald von einer Kaltfront erwischt worden sind und bei 0 Grad im Zelt doch ein bisschen gefroren haben war klar, dass wir eine Versorgungsbox mit einer Heizung und einer kleinen Stromversorgung brauchen. Die erste Version der Box hat uns auf dem Autodach bereits auf dem Weg zum Nordkap im Januar 2019 begleitet und die 2. Version auf der Deichsel wurde aktuell in der Version 2.0 überarbeitet und bereits bei unserem Urlaub im September 2020 auf Mandø erfolgreich getestet. Hier findest Du alle Einzelheiten zu unserer Versorgungsbox und auch wo die einzelnen Schwierigkeiten beim Aufbau lagen.

Ganz unten findest Du auch noch ein Video, dass Dir den Aufbau der Version 2.0 etwas anschaulicher erklärt.

 

Werbung



Die Versorgungsbox auf der Anhängerdeichsel

Also die Entscheidung für eine Versorgungsbox viel relativ schnell. Unklar war, wo wir die platzieren sollten. Auf der Deichsel des Anhängers ist nicht viel Platz, da der Zwischenraum zwischen Reserverad und Stützrad sehr begrenzt ist. Eine weitere Version wäre, die Box innerhalb des Anhängers zu platzieren und den ​Auspuff durch die Anhängerbordwand nach außen zu führen. Das birgt aber die Gefahr, dass bei Leckagen am Auspuff, die Abgase im Zelt landen – nicht gut.

Die Kiste jedes mal aus dem Anhänger rausholen und nach draußen stellen war auch nicht möglich, denn durch die Luken unter dem Bett kommt man nur sehr unbequem an die Kisten die darunter sind und so wäre ein Ausladen immer mit sehr viel Umstand verbunden. Und oben auf dem Autodach wollten wir die Versorgungsbox auch nicht immer transportieren. Das geht zwar, wenn wir im Winter Richtung Norwegen fahren, ist aber auf die Dauer nicht sehr aerodynamisch.

Also blieb als einzige Stelle noch die Deichsel und somit gab es einige Ansprüche an die Box:

  1. Tiefe maximal 37cm (Platz zwischen Ersatzrad und Stützrad)
  2. Nicht überstehender Deckel, damit die Box geöffnet werden kann, ohne das der Deckelrand am Reserverad scheuert
  3. Material Alu min. 2mm stark (also keine billig Baumarkt-Box)
  4. Mindestbreite 100 cm, da Tank Akku und 4Kw Heizung aufgrund der geringen Tiefe in Reihe stehen müssen

So, und dann wird es schon eng. Alles was irgendwie Standardboxen (Baumarkt oder auch Zarges) ist, fällt dann schon mal raus. Letztendlich bin ich bei einem Onlinefachhandel für Edelstahlboxen fündig geworden. Bei edelstahlhaus.de gibt es eine ganze Reihe von Boxen mit den unterschiedlichsten Maßen und wenn das immer noch nicht reicht, bauen die die Box nach Deinen Vorgaben.

Hier der Link zu der Box, die wir dafür verwendet haben:

Versorgungsbox für das Anhängerzelt

Alubox für die Deichsel

https://edelstahlhaus.de/epages/26522a80-a22a-4813-ac88-39a99d0f9092.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/26522a80-a22a-4813-ac88-39a99d0f9092/Products/D6A20N100-100-35-40

Einbauteile für die Versorgungsbox

Solche Art Versorgungsboxen gibt es übrigens auch fertig zu kaufen, allerdings nur in Standard Aluboxen eingebaut. Für uns stellte sich jetzt die Frage, soll die Box nur Heizen oder uns auch sporadisch mit Strom versorgen. Die Idee kam schnell auf, dass wir vielleicht auch mal unsere Handys aufladen wollten oder auch mal ein 220V Gerät betreiben möchten, wenn auch nur im Notfall. Und natürlich wollten wir auch in dem Fall, wenn wir keinen Strom am Campingplatz haben, für eine bestimmte Zeit autark stehen können.

Damit war klar, was da rein soll:

  1. eine 4kW Dieselheizung (Das Anhängerzelt hat ein ganz schön großes Volumen)
  2. Der Dieseltank (Die Box hat ja keinen Anschluß zum Fahrzeug)
  3. Ein LiFePo-Akku (wie groß war noch nicht so klar)
  4. Ein Wechselrichter (für den Notfall)
  5. Ein Solarpanel (natürlich nicht in der Box, sondern faltbar)

So, dann schauen wir uns mal an, was wir uns da ausgesucht haben.

Dieselheizung 4kW

Zu der Zeit, als ich die Versorgungsbox gebaut habe, hatte ich die Wahl zwischen den sauteuren deutschen Fabrikaten oder den etwas günstigeren Modellen von Planar (Autotherm). Die Planar Heizungen werden in Russland gebaut und sind eigentlich bekannt für ihre Robustheit. Da unser Budget auch etwas begrenzt war, haben wir uns dann auch relativ schnell für eine Planar 44D (heute heißt die nur noch 4D) entschieden.

Heute hätten wir eine noch etwas größere Auswahl mit noch viel billigeren Heizungen, die in China gefertigt werden. Zu der Qualität dieser Modelle kann ich leider keine Aussage machen. Die Planar 44D, die wir im Einsatz haben, musste schon so einiges aushalten und hat das alles bisher schadlos mitgemacht. Auf ein Höhenkit haben wir damals verzichtet, da wir nicht vorhaben in größeren Höhen für längere Zeit zu übernachten.

Das folgende Bild zeigt Dir die Heizung eingebaut in eine normale Alubox, die wir Januar 2019 auf dem Autodach mit in Norwegen hatten. Die Batterie war da im Auto untergebracht.

Dieselheizung für die Versorgungsbox

Dieselheizung in Alubox

Gekauft haben wir die Heizung und alles was wir noch für die Montage der Heizung benötigt haben bei Tigerexped im Online-Shop

Die Heizungen gibt es natürlich auch anderswo im Internet zu kaufen, allerdings hat Tigerexped schon einiges an Erfahrung mit den Heizungen, auch weil sie selber Fahrzeuge damit ausrüsten.

Die Heizung kommt mit recht viel Zubehör wie Abgasrohr, Ansaugrohr, Dieselpumpe und Schläuche und ein Tank ist auch mit dabei. Der Tank fasst 7 Liter und ist für den Einbau in einer normalen Alubox sehr zu empfehlen. Das ist übrigens der Tank, den Du oben in dem Bild links unten an der Wand montiert siehst. Ein Kabelsatz und eine Standard-Kabelfernbedienung ist auch mit dabei. Das was Du für den Aufbau in der Alubox dann noch brauchst, sind die Warmluftrohre, Schlauchschellen, den 90° Winkel für die Montage der Heizung und die Durchgänge für Abgas und Luftansaugung.

 

Der Tank

Da ja die Dieselheizung nicht über den Tank des Fahrzeuges mit versorgt wird, musste also noch ein zusätzlicher Tank in die Versorgungsbox mit eingebaut werden. Für unsere Box (40cm Hoch) ist der mitgelieferte Tank leider zu hoch und so mussten wir den durch einen anderen Tank ersetzen. Außerdem hat der mitgelieferte Tank nur ein Volumen von 7 Litern und wir hatten so zumindest an 10 Liter gedacht. So ging also die Sucherei wieder los, wo bekommt man einen passenden Tank mit 10 Litern und auch noch den passenden Maßen, der in die Versorgungsbox passt.

Fündig wurden wir da bei Amazon (ich glaube alles andere was Du hier liest findest Du alternativ auch bei Amazon). Im Bootsbedarf gibt es Tanks mit unterschiedlichen Volumen und Größen. Wir haben schließlich einen für 11,5 Liter gefunden, der haargenau in die Versorgungsbox passt: (Klick aufs Bild leitet zum Shop)

Tank für die Versorgungsbox

Tank für die Versorgungsbox

Für den Tank brauchst Du dann aber noch die richtige Gewindestecktülle 1/4 Zoll Außengewinde und 6 mm Schlauchanschluss, sonst passt das nicht zu den Dieselleitungen der Planar.

 

LiFePo4 Akku

Das war so das problematischste an der ganzen Geschichte. Was für einen Akku nimmt man da. Das ganze soll dann ja auch noch über ein Solarpanel geladen werden können, also braucht man auch einen Solarladeregler. Ich wollte den Aufwand aber möglichst gering halten und nicht jede Menge einzelne kleine Boxen in der Versorgungsbox verbaut haben. Auch bei der Kapazität waren wir uns nicht sicher. Die Heizung läuft ja nicht durch und ansonsten benötigen wir den Akku nur im Ausnahmefall. Also hätten wohl so 50 – 70 Ah völlig ausgereicht (entspricht etwa 100 bis 140 Ah Bleiakku). Und zu schwer sollte das ganze ja auch nicht sein.

Wir suchten also sowas wie die eierlegende Wollmilchsau unter den Akkus. Und wir haben sie fast gefunden:

LiFePo Akku für die Versorgungsbox

LiFePo Akku für die Versorgungsbox

Im Hintergrund siehst Du den Akku der Firma Victron Energy, den Peak Power Pack mit 40 Ah. Das ist ein integriertes System mit Batteriemanagement, Laderegler und 2 verschiedenen Leistungsausgängen. Ein Ausgang kann bis zu 100 A speisen, der andere nur bis 8-9A. Eigentlich wurden diese kompakten Systeme mal für Wohnwagen-Mover entwickelt, sie tun aber auch in anderen Anwendungen ihren Dienst. Das tolle daran ist außerdem, dass es das gesamte System inklusive Solarpanel und Bluetooth Fernbedienung als Set bei Amumot zu kaufen gab.

Den Link zum Shop bekommst Du wenn Du auf das Bild oben klickst.

Der Wechselrichter

Der Wechselrichter ist eigentlich nur für den Notfall gedacht. Also wenn ich zum Beispiel mal meinen Laptop über das Ladegerät betreiben muss oder wir haben auch schon mal den 600 Watt Heißwasserbereiter daran betrieben. Wir haben einen Wechselrichter von Victron Energy, der noch richtig mit einer schweren Kupferspule versehen ist. Diese Teile gibt es so fast nicht mehr zu kaufen. Ich verlinke Euch einen ähnlichen Wechselrichter:

https://www.amumot-shop.de/sinuswechselrichter-12v-1200watt

Die Batterie ist mit ihren 40 Ah leicht unterdimensioniert für den Wechselrichter, aber er wird ja auch nicht oft benötigt. Der Wechselrichter hat 1200 Watt, d. h. das er an dem Hochstromausgang des Peak Powerpack angeschlossen werden muss, da dort bis zu 100 Ampere fließen. Denk daran, wenn Du sowas selber bauen willst, Stromkabel mit dem nötigen Durchmesser zu verwenden.

Aufbau der Versorgungsbox

Also als erstes musste ich mir Gedanken machen, wie die Befestigung an der Deichsel innen so verschraubt wird, dass die Muttern am Boden der Box nicht stören. Dort liegen ja großflächig der Tank und der Akku. Um das zu umgehen, habe ich einfach 2 weitere Alubleche auf U-Schienen verschraubt und unten auf den Boden aufgeschraubt. Der Tank und der Akku stehen dann auf diesen Blechen, in denen zwei Löcher sind, durch die die Muttern der Befestigungsbügel gelöst werden können.

Riffelblech in der Versorgungsbox

Riffelblech in der Versorgungsbox

Oben im Bild siehst Du das Blech auf dem der Akku befestigt wird. Links an der Seite der Box befindet sich das Gleiche noch mal für den Tank.

Die Riffelbleche sind aus dem Baumarkt. Prinzipiell geht das auch mit normalen Alublechen, aber die glatten Alubleche im Baumarkt sind einfach zu dünn und damit nicht stabil genug. Die Riffelbleche waren die stabilsten.

Wenn die Bleche eingepasst sind, wird als nächstes die Dieselheizung eingebaut. Ich habe für die Heizung ein 90° Profil mit bestellt, in dem die Löcher für Auspuff und Ansaugung bereits drin sind. Diese Halterung habe ich an die Rückwand der Versorgungsbox genietet und die Heizung installiert. Dazu mußt Du 2 Löcher in die Seitenwände der Box Bohren bzw. Knacken. Zu dem Zweck habe ich mir eine Lochsäge für den Auspuff und eine große Knacke für die Ansaugung besorgt.

Für die Warmluft und die Frischluft müssen dann 2 richtig große Löcher in die Seitenwände. Ich habe für die Durchführung Storzkupplungen verwendet. Da die Schläuche für die Frischluft 80 mm Innendurchmesser haben, musst Du dafür eine75-B Storz-Schlauchkupplung verwenden. Für die Warmluftseite ist das ganze noch heftiger, denn die 4kW Heizung benötigt mindestens 90mm Innendurchmesser der Schläuche, um die Wärme loszuwerden. Hierfür musst Du also mit einer 110-A Storzkupplung arbeiten. Also brauchst Du für diese Arbeitsgänge eine 90 und 110mm Lochsäge.

Wenn Du dabei bist, kannst Du auch gleich die Löcher für die Elektroanschlüsse mit einer Lochstanze (ich sag immer Knacke) vorbereiten. Für die Anschlüsse habe ich Amphenol-Kunsstoff-Stecker und Buchsen verwendet. Die habe das beste Preis-Leistungsverhältnis.

Für die Verschlauchung der Warmluft nehme ich auch in der Box Neoprenschlauch.

Die folgenden beiden Bilder zeigen Dir noch mal die Seitenwände der Versorgungsbox:

Versorgungsbox linke Seite

Versorgungsbox linke Seite

Versorgungsbox rechte Seite

Versorgungsbox rechte Seite

Der Ladeanschluß für das Solarpanel ist auf der Frontseite angebracht und ist ein 4-pol. Amphenol Stecker.

Probleme und Umbau

Was so ein Prototyp ist, der macht schon das ein oder andere Problemchen. Prinzipiell funktioniert das alles ganz gut und die 4kW Heizung war definitiv die richtige Wahl. Wenn ich die um 6:30 morgens anstelle, dann ist es um 7:30 schön kuschelig warm im Zelt, auch bei Temperaturen draußen um die 0 Grad. Die Heizung ist besonders wichtig, um das Zelt innen möglichst trocken zu halten denn wenn es regnet und kalt ist, wird selbst das beste Zelt irgendwann innen feucht.

Aber wie dem auch sei, das ein oder andere habe ich doch noch geändert. Auf unserer Reise im August 2019 in Norwegen haben wir festgestellt, dass der Dieseltank nicht ganz dicht ist und auf holperiger Strecke Diesel austritt. dieser Diesel verteilt sich dann auf dem Boden der Box. Dort befindet sich zwar auch ein kleines Überdruckloch, aber der Diesel fließt auch in den Bereich, wo der Auspuff und die Isolierung sitzt. Und das kann gefährlich werden, wenn sich die ausgefranste Isolierung vom Planar Auspuffrohr mit Diesel vollsaugt und der Auspuff dann heiß wird.

Entsprechend gab es vor unserer letzten Reise nach Mandø in Dänemark noch ein paar kleine Umbauten. Der Auspuff wurde höher gesetzt, die Isolierung um den Auspuff erneuert, der Bereich beim Auspuff wurde mit einer weiteren Alu-Schiene und mit Sikaflex abgedichtet, so dass da kein Diesel mehr hinlaufen kann und der Tank wurde mit einer weiteren Dichtung versehen. Jetzt schnurrt das Teil und macht schön warm ohne das wir Gefahr laufen nebenbei Feuer zu fangen…..

Hier noch ein Bild, wie die Versorgungsbox dann aussieht, wenn alles bestückt ist:

Versorgungsbox komplett

Inklusive Tank und Batterie